Rapid wieder daheim: Stadioneröffnung mit 2:0 gegen Chelsea

Allianz Stadion Eröffnungvon Paul Schütz –  Die zwei langen Jahre des Exils im Wiener Prater (Ernst-Happel-Stadion) sind vorbei: Der SK Rapid Wien ist seit Samstag wieder im Westen Wiens, konkret in Hütteldorf (einem „Grätzl“ im 14. Gemeindebezirk Penzing) zuhause. Nach dem Abriss des Gerhard-Hanappi-Stadions – von den Fans auch liebevoll „St. Hanappi“ tituliert – ab Sommer 2014 wurde in 17 Monaten das neue „Allianz-Stadion“ aus dem Boden gestampft.

Es ist die nunmehr vierte Heimstätte der Grün-Weißen nach dem K.u.k.-Exerzierfeld auf der „Schmelz“ (1899–1903), dem abschüssigen Platz in Rudolfsheim (1903–1912), der legendären Pfarrwiese (1912–1978) und dem nicht weniger kultigen „Gerhard-Hanappi-Stadion“ (zu Beginn „Weststadion“). Wieso auf der Pfarrwiese etwa bis 1978 gespielt wurde, obwohl das „Weststadion“ bereits 1977 mit einem Wiener Derby Rapid gegen Austria eingeweiht worden war, ist auch im „Großen Buch der österreichischen Fußballstadien“ (Verlag Die Werkstatt) nachzulesen.

Keine „Arena“, sondern Stadion

Doch zurück in die Gegenwart: Auf die zeitgeistige Titulierung „Arena“ wurde beim Neubau verzichtet. Erstens weil eine ungleich größere „Allianz-Arena“ schon in München steht, andererseits um den Kommerzcharakter des Fußballtempels nicht zu sehr zu strapazieren.

Die Rapid-Fans sind da nämlich eher traditionell-konservativ. So wurde seinerzeit auch Protesten gegen die Demolierung des nach fast 40 Jahren deutlich in die Jahre gekommenen „Hanappi-Stadions“ mit zweierlei Maßnahmen vorgebeugt: Einerseits wurden die Söhne des bereits 1980 verstorbenen Architekten und ehemaligen Rapid-Kickers und Rekordinternationalen Gerhard Hanappi mediengerecht in die Planung des neuen Baus eingebunden, andererseits lautet die Adresse des Stadions und damit auch des Vereins neuerdings „Gerhard-Hanappi-Platz 1“.

Dennoch zeigten sich insbesondere die Hardcore-Fans am Samstag auch beim Eröffnungsspiel gegen Englands Top-Club Chelsea widerborstig. „Weststadion“ trällerten sie unmittelbar, nachdem der nunmehrige Alt-Bundespräsident Heinz Fischer (der frühere „Rote“ – SPÖ – ist ein eingefleischter „Grüner“) gemeinsam mit Club-Präsident Michael Krammer und der 90-jährigen Vereinslegende Alfred Körner (der 47-fache Internationale spielte von 1942 bis 1959 bei Rapid) das Eröffnungsband durchschnitten hatten. „Weststadion“ ist der Name, mit dem der Bau in trotzigen Fankreisen tituliert wird. Während des Spiels erinnerten sie auch noch an die alte Kultstätte. Sie präsentierten ein Transparent mit der Botschaft „Dich ewig zu ehren, das schwören wir“ und skandierten dazu trotzig „Hanappi-Stadion, Hanappi-Stadion“.

Das Allianz-Stadion bietet 28.300 Zuschauern Platz. Bei internationalen Bewerbsspielen dürfen freilich 4.000 Zuschauer weniger rein, da die UEFA-Normen keine Stehplätze zulassen. Der ostdeutsche Architekt Guido Pfaffhausen stattete das Stadion mit betont steilen Tribünen aus. Es gehört dem SK Rapid, der Grund ist Eigentum der Stadt Wien. Die Bauzeit betrug rund 17 Monate, als Kosten werden 53 Millionen Euro genannt.

Im Vergleich zum Hanappi-Stadion wurde das Stadion um 90 Grad gedreht. Und damit auch die Himmelsrichtungen außer Kraft gesetzt. Die traditionelle Fan-Tribüne hinter einem Tor heißt weiterhin „Block West“, obwohl sie nun im Süden liegt. Um konsistente Fanchoreografien zu ermöglichen, gibt es hier auch keine Zugänge inmitten der Tribüne. Über 8.000 sollen hier wie eine Wand hinter ihrem Team stehen.

Allianz-Stadion Eröffnung

Ein Bau der Superlative

Für österreichische Verhältnisse ist es ein Bau der Superlative: Im Allianz-Stadion steht nicht nur die größte Fantribüne Österreichs, es gibt hier auch den größten VIP-Bereich: Beinahe die gesamte Haupttribüne ist für 2.500 hochpreisige Business-Seats reserviert. Diese Einnahmen stellen einen wesentlichen Bestandteil des Finanzplans dar. An der östlichen Breitseite des Stadions wurde eine massive Röhre außen an das Gebäude angebaut. In den obersten zwei Etagen wurden 41 VIP-Logen eingerichtet, schon für die billigste müssen 66.000 Euro im Jahr hingelegt werden. Am Samstag wuselte es darin bereits gewaltig.

Daher will Rapid-Präsident Michael Krammer selbst bei einer Teilnahme an der Champions League, wo bei Kracher-Gegnern wie Bayern München oder Real Madrid sogar das große Stadion im Prater mit fast 50.000 Zuschauern ausverkauft wäre, in Hütteldorf bleiben. „Im Happel-Stadion, das ja viel größer ist, hatten wir zuletzt 20 Millionen Euro Umsatz“, erzählte Präsident Krammer unlängst der Zeitschrift „News“. „Hier werden wir mit 30 Millionen beginnen.“

39 von 41 VIP-Logen sowie 80 Prozent der Business-Seats sind bereits vergeben. Mitte Juli hat der Club zudem rund 12.500 Jahreskarten an den Fan gebracht. Eine stolze Zahl für eine Liga mit einem Zuschauerschnitt von rund 6.000 Besuchern.

Schon vor dem Eröffnungskick gegen Chelsea, den Champions-League-Sieger 2012, wurde ein Eröffnungsspektakel unter dem Motto „Tradition trifft Innovation“ abgezogen. Wiener Musik-Größen wie die Sängerknaben, „Alkbottle“ oder der „Ostbahn Kurti“ gaben das eine oder Jubelständchen zum Besten.

Nicht ganz so rosig wie der Großteil der Rapid-Gemeinde sehen am Bau nicht beteiligte Architekten das neue Stadion der Grünen. Es sei die Chance verpasst worden, etwa mittels eines Wettbewerbs ein architektonisches Rufzeichen zu setzen, meint etwa Robert Temel, Sprecher der Plattform für Baukulturpolitik, sinngemäß in der Wochenendausgabe der Tageszeitung „Der Standard“: „Während jede andere bedeutende Stadt die Chance eines Stadionbaus dazu nützen würde, eine architektonische Landmark zu erhalten und einen positiven Beitrag für das städtische Umfeld zu leisten, ist es in Wien schlicht wurscht, wie das ausschaut.“

Bleibt noch der Blick auf das Eröffnungsspiel: Bereits nach acht Minuten trug sich der Brasilianer Joelinton mit dem 1:0 in Rapids Geschichtsbücher ein. Die Hoffenheim-Leihgabe erzielte das erste Goal im Allianz-Stadion, knapp vor Schluss machte der Spanier Tomi mit dem 2:0 den Sack zu. Rapids deutscher Coach Mike Büskens gab sich hernach ganz wienerisch: „Es war leiwand“, sagte er zum soundigen Support im neuen Stadion. Und ein Sieg gegen den Champions-League-Sieger von 2012 macht sich auch in den Clubannalen gut. Wie wohl der 48-Jährige um die Bedeutung von sommerlichen Vorbereitungskicks Bescheid weiß: „Das war ein schöner Tag heute, aber wir wissen das Spiel schon einzuschätzen.“

 

Paul Schütz wurde die Fußballleidenschaft in die Wiege gelegt, war doch bei seiner Geburt im Juni 1998 die WM in Frankreich voll im Gange. Seit der Matura (Abitur) im vergangenen Juni leistet der Rapidfan gerade seinen Zivildienst ab.

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