„Abstieg mit Ansage“ – Buchvorstellung in Kaiserslautern

Der Betzenberg mit Fritz-Walter-Stadion von der Stadt aus gesehen.

von Simon Kraßort – Was ist beim 1. FC Kaiserslautern seit 2010 passiert? Was muss der Klub in Zukunft besser machen?

Bei der Vorstellung von „Betze Leaks“ am 15. Mai wurden genau diese Fragen ausführlich diskutiert. Rund 50 Besucher kamen in die Thalia-Filiale in Kaiserslautern. Autor Andreas Erb sprach dort mit den Gästen Michael Ashelm (F.A.Z.), Dieter Buchholz (ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des FCK und mit seinem Unternehmen bfd buchholz-fachinformationsdienst GmbH langjähriger Sponsor des Klubs) und Klaus Becker (Mitglied des Ehrenrats) über sein neues Buch und die Situation beim Pfälzer Traidionsverein. Ein leerer Stuhl signalisierte dabei das Fehlen von Vereins- und Stadtoffiziellen, diente aber gleichzeitig als Einladung ans Publikum, sich an der Diskussion zu beteiligen – was auch rege genutzt wurde.

„Komische“ Stimmung

Gut besucht war die Podiumsdiskussion in der Thalia-Filiale in Kaiserslautern am 15. Mai anlässlich der Veröffentlichung von „Betze Leaks“.

Zunächst las Andreas Erb zur Einstimmung eine kurze Passage aus dem Buch, in der es um die Stimmung während der Aufstiegsfeiern 2010 ging, um die Fans an die Euphorie in der Pfalz im Jahr 2010 zu erinnern. Anschließend erzählte Klaus Becker etwas über die Gefühlslage der Fans heute: In der Stadt haben nach dem Abstieg in die Drittklassigkeit viele einfach nur Angst um den Verein und fragen sich, ob der Klub die Situation überlebt. Becker beschrieb die Stimmung nach und während des letzten Saisonspiels als „komisch“, es herrschte keine tiefe Trauer, es war schließlich für viele ein Abstieg, der sich lange angekündigt hatte – trotz der vielen Hoffnungsschimmer, die in der Rückrunde immer mal wieder aufkeimten. Man wusste nicht so recht, wohin mit seinen Gefühlen.

Buchholz wirbt für Ausgliederung

Dieter Buchholz bestätigte, dass die Lage angespannt sei und führte aus, dass der Abstieg für ihn einer mit Ansage gewesen sei und berief sich auf Gespräche mit einigen Trainern der Vergangenheit. So nutzte er den Abend um für die Ausgliederung der Profiabteilung zu werben, die für ihn die einfachste Möglichkeit ist, an Geld zu kommen, um den Verein zu retten. Außerdem appellierte er an weitere Unternehmen, es ihm gleichzutun und jetzt nicht das Sponsoring einzustellen. Am Tag nach der Veranstaltung bestätigte der Klub per Pressemitteilung, was Buchholz in der Thalia-Filiale bereits angekündigt hatte: Sein Unternehmen unterstützt den FCK weiterhin und im gleichen Umfang wie bisher und möchte damit als Beispiel für andere vorangehen.

Kritik an der Ära Stefan Kuntz

Diskussionsteilnehmer Klaus Becker, Dieter Buchholz, Andreas Erb und Michael Ashelm (von links).

Michael Ashelm, der den Klub schon viele Jahre journalistisch für die F.A.Z. begleitet, erzählte, dass man beim FCK schon seit langer Zeit beobachten kann, was Missmanagement bedeute: Für ihn war vor allem die Ära Stefan Kuntz in der Nachbetrachtung schlecht für den Verein. Er sagte aber auch, dass all diese Probleme keine Erfindung des 1. FC Kaiserslautern seien, man vieles davon auch bei anderen Klubs beobachten könne.

Hoffnung macht für alle die neue Vereinsführung und dass bei einem guten Saisonstart der direkte Wiederaufstieg klappen kann. Außerdem herrsche unter den Fans eine Art Aufbruchsstimmung, kaum jemand kündigte seine Dauerkarte oder verweigert dem Klub in der 3. Liga die Treue.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde zum Teil sehr kontrovers, aber immer fair, mit dem Publikum diskutiert – beispielsweise über die Summen, die der FCK für die Stadionmiete an die Stadt zahlen muss oder auch darüber, wie intensiv man sich noch mit der Aufarbeitung der Vergangenheit beschäftigen sollte. So waren zwar am Ende nicht alle einer Meinung, aber doch zumindest einig darüber, dass es ein gelungener und lohnenswerter Abend war.

Andreas Erb
Betze Leaks
Der 1. FC Kaiserslautern zwischen Tradition und Possenspiel
240 Seiten, Paperback, Fotos
ISBN: 978-3-7307-0390-8
€ 16,90

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