Kampagnen sind nicht genug

Christian Thibault

von Christian Thibault – Niemand möchte als Rassist bezeichnet werden, und doch steht jetzt in der Causa Özil der Rassismusvorwurf im Raum. Rassismus ist eine Ideologie, die wissenschaftlich widerlegt ist, es gibt keine verschiedenen Menschenrassen. Daher kann auch nicht eine Rasse mehr wert sein als die andere. Das wissen wir. Wie sollen wir da also Rassisten sein? Wir reden ja auch nur über die Kultur mancher Herkunftsländer und die mangelnde Integration der türkischen Mitbürger. Ach ja, und der Islam, wie soll der denn, bitte schön, nach Deutschland passen? Und doch steht der DFB jetzt vor dem Scherbenhaufen seiner Integrationsarbeit, und alle die schönen Fernsehkampagnen gegen Rassismus klingen nur noch hohl.

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UFC in Hamburg

von Robert ClausDie Ultimate Fighting Championship (UFC), der weltweit größte Mixed-Martial-Arts-Veranstalter, gastiert einmal jährlich in Deutschland. Wie schon 2017 machte die Promotion am vergangenen Sonntag in Hamburg Halt und bot ein anspruchsvolles Kampfsportevent. Die Kommerzialisierung des MMA hat jedoch ihr Für und Wider.

Die Halle ist dunkel, auf den vier großen Videoleinwänden in der Hamburger Barclaycard Arena wird ein Trailer für kommende Events eingespielt: Zu dicken Bässen trainieren TJ Dillashaw und Cody Garbrandt in verrucht ausgeleuchteten Gyms, ihre besten Fightmoves werden wiederholt, in schnellen Schnitten inszeniert. Es ist die Ankündigung für die UFC 227, die Rivalität der beiden Kämpfer hat Geschichte. Bei der UFC 217 im November 2017 gewann Dillashaw den Titelkampf der beiden. Die UFC weiß das Rematch in Szene zu setzen, solche Kämpfe medial aufzubauen. Denn für sie ist MMA Sport und Unterhaltung im ganz großen Stil.

Und unter der Leinwand in der Hamburger Arena? Die Leute beginnen, sich zu langweilen. Der Trailer wird nicht zum ersten Mal abgespielt, er dient als Pausenfüller. Und davon gibt es genügend. Die ersten Kämpfe des Abends gingen nicht alle über die volle Distanz von drei Runden, man liegt gehörig vor dem Zeitplan. Vorziehen kann man die restlichen Kämpfe kaum. Denn alle Kämpfer haben ihr Warm-Up-Programm. Doch vor allem geht es ums Pay-per-View. Damit alle zahlenden Kunden auf ihre Kosten kommen, dürfen die Hauptkämpfe nicht vor 20 Uhr beginnen. Zum Teil sehr zähe und lange Kampfpausen sind die Folge.

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„Die Arbeit auf dem Platz muss wieder im Vordergrund stehen“

Dietrich Schulze-Marmeling

Dietrich Schulze-Marmeling im Gespräch mit Lars Mrosko, ehemals u.a. Scout beim FC Bayern und VfL Wolfsburg – Das Wochenende, an dem Deutschland die Schweden in letzter Sekunde schlug, verbrachte ich in Berlin. Eigentlich stand ein Besuch der Waldbühne auf dem Programm, wo Simon Rattle sein Abschiedskonzert gab. Aber ein Infekt, den ich mir in Russland zugezogen hatte, haute mich nieder. So verbrachte ich die meiste Zeit im Bett unseres Hotels in Kreuzberg, von wo aus ich ein Geräusch vernahm, das ich kaum noch kannte: das Geräusch von auf der Straße kickenden Kindern.

In einer einigermaßen fitten Stunde schwang ich mich aufs Fahrrad und fuhr zum etwa zwei Kilometer entfernt gelegenen Platz von Türkiyemspor Berlin. Nach dieser elenden Debatte um die Deutschtürken im deutschen Nationaltrikot war mir irgendwie danach. Bei Türkiyemspor fand gerade ein Kinderturnier statt, und zwar auf einem Kunstrasenplatz, bei dem die besorgten Väter und Mütter münsterländischer Mittelstandskids ihre Kleinen in Watte eingepackt und einen Fahrradhelm mitgegeben hätten. Betonhart, schon der pure Anblick verursachte Schmerzen in den Gelenken. Umso netter und herzlicher war die Atmosphäre bei diesem Turnier, entsprechend den Botschaften, die auf einer Tafel im Vereinsheim mitgeteilt wurden:

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Deutsch dank Özil

Robert Claus

von Robert Claus – Seit dem blamablen Ausscheiden der DFB-Auswahl in Russland werden die Gründe für den sportlichen Misserfolg intensiv diskutiert. Besonders Mesut Özil steht dabei – wieder einmal – im Fokus der Debatte. Kritiker werfen ihm ein lustloses Spiel sowie fehlende Identifikation mit Deutschland vor, was nicht zuletzt daran festgemacht wird, dass er die Nationalhymne vor Spielbeginn nicht mitsingt. Unterstützer Özils hingegen halten fest, wie viele Zweikämpfe er gewonnen und Chancen er kreiert habe. Das kann man machen, es verfehlt aber einen zentralen Punkt in der Debatte: die Funktionsweise von Rassismus.

Der britische Soziologe Stuart Hall schrieb einmal, die weißen Engländer*innen seien nicht rassistisch, weil sie die Schwarzen hassten, sondern weil sie ohne die Schwarzen gar nicht wüssten, wer sie selber sind. Hall, im Februar 2014 verstorben, hätte mit seinem Ausspruch auch die Debatte um „Integration“ in Deutschland meinen können. Beispiele gefällig?

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