UFC in Hamburg

von Robert ClausDie Ultimate Fighting Championship (UFC), der weltweit größte Mixed-Martial-Arts-Veranstalter, gastiert einmal jährlich in Deutschland. Wie schon 2017 machte die Promotion am vergangenen Sonntag in Hamburg Halt und bot ein anspruchsvolles Kampfsportevent. Die Kommerzialisierung des MMA hat jedoch ihr Für und Wider.

Die Halle ist dunkel, auf den vier großen Videoleinwänden in der Hamburger Barclaycard Arena wird ein Trailer für kommende Events eingespielt: Zu dicken Bässen trainieren TJ Dillashaw und Cody Garbrandt in verrucht ausgeleuchteten Gyms, ihre besten Fightmoves werden wiederholt, in schnellen Schnitten inszeniert. Es ist die Ankündigung für die UFC 227, die Rivalität der beiden Kämpfer hat Geschichte. Bei der UFC 217 im November 2017 gewann Dillashaw den Titelkampf der beiden. Die UFC weiß das Rematch in Szene zu setzen, solche Kämpfe medial aufzubauen. Denn für sie ist MMA Sport und Unterhaltung im ganz großen Stil.

Und unter der Leinwand in der Hamburger Arena? Die Leute beginnen, sich zu langweilen. Der Trailer wird nicht zum ersten Mal abgespielt, er dient als Pausenfüller. Und davon gibt es genügend. Die ersten Kämpfe des Abends gingen nicht alle über die volle Distanz von drei Runden, man liegt gehörig vor dem Zeitplan. Vorziehen kann man die restlichen Kämpfe kaum. Denn alle Kämpfer haben ihr Warm-Up-Programm. Doch vor allem geht es ums Pay-per-View. Damit alle zahlenden Kunden auf ihre Kosten kommen, dürfen die Hauptkämpfe nicht vor 20 Uhr beginnen. Zum Teil sehr zähe und lange Kampfpausen sind die Folge.

Dabei hatte die Fightcard einiges zu bieten. Gerade die Duelle auf der Undercard waren rasant und technisch anspruchsvoll. Zudem hatte die UFC für ihr Event in Deutschland einige Athleten gebucht, die hierzulande trainieren. Zwar verlor der ehemalige Bundespolizist und wohl bekannteste deutsche UFC-Kämpfer Nick Hein seinen Kampf verdient nach Punkten. Doch gerade der Hamburger Nasrat Haqparast konnte durch einen forschen Auftritt seine Fangemeinde begeistern. Sein Kampf war einer der Höhepunkte des Abends. Der Hauptkampf des Abends fand nach 89 Sekunden vor den knapp 10.000 Zuschauern durch einen spektakulären Knock-out ein frühes Ende.

UFC in Hamburg: Spätabends war die Halle voll.

Somit war es das größte MMA-Event des Jahres in Deutschland, obwohl vor Ort die Karten des Oberranges in Tickets für den Unterrang umgetauscht wurden. Die Halle war schlichtweg nicht ausverkauft, selbst kurz vor 20 Uhr zu Beginn der Maincard zeigten sich noch große Lücken im aufgefüllten Unterrang. Womit sich auch die UFC inmitten einer Entwicklung befindet, die den deutschen MMA-Markt seit Jahren prägt: Einerseits wächst der Sport hierzulande, während er z.B. in den USA regelrecht boomt. Doch übertragen sich die vielen deutschen Gyms und steigenden Pay-per-View-Zahlen allzu selten in die Hallen. Gerade einmal WeLoveMMA kann regelmäßig vierstellige Besucherzahlen aufweisen. Jenseits dessen versucht der Markt zu wachsen, stößt jedoch immer wieder an Grenzen. Im September 2017 beispielsweise zog „Sprawl and Brawl“ mit großer Werbung vom Berliner Außenbezirk Weißensee ins Kreuzberger Tempodrom. Doch der versprochene Hexenkessel entpuppte sich als ziemlich maue Veranstaltung mit wenigen hundert Zuschauern.

Verbesserungswürdiger Ruf

Nicht selten scheitert MMA dabei auch am eigenen Publikum. Auch aufgrund vieler rechter Hooligans, die bei den Events antreten, und den Zuschauern, die sie mitbringen, hat der Sport einen verbesserungswürdigen Ruf. Weshalb bei aller Kritik an der Kommerzialisierung durch die UFC auch festgehalten werden kann, dass eines sehr angenehm war an dem Abend in Hamburg: die weitestgehende Abwesenheit von Symbolen rechter Hooligans und Rocker.

Wenngleich dies nicht bedeutet, dass keine Neonazis anwesend waren. Im Nachgang des Abends postete ein russischer Neonazi ein Bild auf Instagram, auf welchem er in Jeans und blauem Shirt, ohne politische Symbole, mit einem UFC-Gürtel vor einer Stellwand der UFC zu sehen ist. Die UFC bietet solche Bilder als Eventprogramm an, inkl. Bildern mit Ringgirls. Ob das Foto vom Sonntagabend stammt, ist unklar. Jedoch ist auch er Fan der UFC.

So hat der kommerzialisierte Sport seine Licht- und Schattenseiten, die sich auch politisch im Publikum zeigen. Einerseits zieht der Sport durch seine professionalisierte Gewalt und Strahlkraft mitunter fragwürdiges Publikum an. Andererseits haben kommerzielle Veranstalter ein Auge auf ihr Erscheinungsbild nach außen. Letztlich jedoch wird die Frage, wer die Events besucht, nicht zuletzt über die Fightcard sowie Ticketpreise gesteuert. MMA bleibt ein aktionsreicher, athletisch höchst anspruchsvoller Sport, der politisch noch einen langen Weg vor sich hat.

Robert Claus, Jahrgang 1983, forscht, hält Vorträge und publiziert zu den Themen Fankulturen, Hooligans, Rechtsextremismus, Männlichkeiten, Soziale Bewegungen und Gewalt. Zuletzt erschien von ihm „Hooligans. Eine Welt zwischen Gewalt, Fußball und Politik“.

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