Ohne Sport geht gar nichts

Martin Krauss (Foto: Sadija Kavgic)

Vortrag von Martin Krauß zur Tagung anlässlich des 70. Geburtstags von Andrei S. Markovits am 20.10.2018 an der Leuphania Universität Lüneburg

„Jetzt reden wir endlich wieder über Fußball.“ Das ist ein sporthistorisches Zitat. Es wurde gesagt, so wird es zumindest kolportiert, von Wolfgang Niersbach, als dieser erstmals als Präsident eine DFB-Präsidiumssitzung leitete. Niersbach hatte Theo Zwanziger als Präsident abgelöst, und der stand für soziale Verantwortung des Fußballs, für Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, für Kampagnen gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie, für Fußball als Integrationsprojekt, förderte Mädchen- und Frauenfußball. „Jetzt reden wir endlich wieder über Fußball“ ist also ein durchaus reaktionäres Statement. Trotzdem reden wir heute über Fußball.

Ich kenne Andy Markovits schon fast drei Jahrzehnte, es sind 28 oder 29 Jahre. 1989 schrieb ich am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin meine Diplomarbeit zum Thema „Fordistische Vergesellschaftung des Sports“. Mein Fallbeispiel war der damals im Niedergang befindliche DDR-Sport.

Andrei S. Markovits (Foto: Sadija Kavgic)

Ich war damals sehr angetan von einem Aufsatz namens „Why there is no soccer in the United States“. Autor war Andrei S. Markovits, und das Sportverständnis, das er dort ausbreitete, war sehr nah an meinem Verständnis von Sport. Es hatte etwas von „Wir reden nur über Fußball“ – aber keineswegs reaktionär, sondern gerade deswegen so ertragreich, weil er sehr genau hinschaute.

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Eine peinliche Pressekonferenz

Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – Ende der 1970er sollte ich einen frischgebackenen grünen Kommunalparlamentarier auf eine politische Diskussionsveranstaltung vorbereiten. Es ging um den Bundestagswahlkampf Schmidt gegen Strauß. Mein Klient war von der ersten „grünen Welle“ ins Parlament gespült worden und ziemlich ahnungslos, wenn es um die „große Politik“ ging.

Die Beratung gestaltete sich zäh. Er wusste und verstand vieles nicht. Vom etwa einstündigen Briefing behielt er nur, dass ich an einem Punkt von einem „geistig-moralischen Vakuum“ in der politischen Kultur unseres Landes gesprochen hatte. Was ich nicht ahnte: Mein Lokalpolitiker war nun wild entschlossen, mit diesem „geistig-moralischen Vakuum“ auf dem Podium aufzutrumpfen. Das Problem war, dass er überhaupt nicht verstanden hatte, was ich meinte. Und dass in den zwei, drei Stunden bis zu seinem öffentlichen Auftritt daraus ein „großes geistiges Vakuum“ wurde.

Natürlich ging die Sache furchtbar in die Hose. Innerhalb von zehn Minuten rief er gefühlt 20-mal in den Saal: „Es gibt in unserem Land ein großes geistiges Vakuum!“ Fragen des Moderators wurden ebenfalls mit Verweis auf das „große geistige Vakuum“ beantwortet. Das Publikum wurde unruhig. In der Reihe hinter mir murmelte jemand: „Mensch, halt endlich die Fresse, das größte geistige Vakuum herrscht in deinem Kopf!“

Es war zum Fremdschämen. So ähnlich muss es dem Menschen aus der Medienabteilung des FC Bayern ergangen sein, der Karl-Heinz Rummenigge vor der Pressekonferenz beraten hatte. Bei seinem Klienten war wohl einiges durcheinandergeraten. Rummenigge beklagte eine „faktische Berichterstattung“, also eine Berichterstattung, die auf Fakten beruht. Dann sprach er von „unwahren“ und „falschen Fakten“. Es war zum Fremdschämen.

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