Warum ich doch nicht Taxifahrer werde

Leanna bei der Arbeit

– von Leanna Arnold

Das Vorstellungsgespräch

Als ich das erste Mal die Büros im Verlag betrete, fallen die zahlreichen Bücherregale mit den etlichen Büchern auf. Mit einem Büchermaniac als Vater aufgewachsen, kommt mir das gar nicht so fremd vor. Knapp 10.000 standen bei uns früher im Haus, in jedem Zimmer gab es Regale, auf dem Dachboden stapelten sich hohe Türme. Und so fühlt es sich ein bisschen wie zuhause an, als ich an den langen Regalreihen entlanglaufe. Mit einem angenehmen Unterschied: Während sich die Bibliothek dort vor allem auf Belletristik von 1750 bis zum ersten Weltkrieg konzentrierte, gespickt mit etlichen Sachbüchern, Lexika und Bildbänden, beschränkt sich hier alles auf eins meiner Lieblingsthemen: Fußball. Das blanke Papier neben den Druckern türmt sich und es liegt ein feiner Duft von Druckerschwärze in der Luft, der hier bestimmt niemandem mehr auffällt.

Zum Vorstellungsgespräch muss ich zu Julia. Ihr Büro ist scheinbar ganz hinten, denn man führt mich den langen Gang entlang, durch einen großen Raum, in dem noch mehr Bücher stehen als ohnehin schon. Die dicken Druckwerke schlucken den Schall und dämpfen die Schritte, an der Seite steht ein Schreibtisch vor dem Fenster, und alles sieht sehr heimelig aus.

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Mit dem Verlag Die Werkstatt am Ball

Roman Beljutin

von Roman Beljutin – Mein Name ist Roman Beljutin, ich bin Sprachwissenschaftler aus Smolensk (Russland) und unterrichte auch Deutsch als Fremdsprache an der Staatlichen Universität Smolensk. Ich spiele selbst Fußball und forsche seit zwölf Jahren zur Spezifik der deutschen Sport(-Fußball)-Sprache. Mein Herz schlägt für Spartak Moskau, aber weil ich viele Freunde aus Deutschland habe, die leidenschaftliche Fußballfans sind, bin ich inzwischen zum polyamourösen Fan geworden – ich jubele mit, wenn Bochum, der FCN, Braunschweig oder die Borussia gewinnen; es macht mich aber traurig, wenn mir meine Freunde mitteilen, dass ihre Lieblingsvereine verloren haben.

Die Sportbücher des Verlags Die Werkstatt begleiten mich und meine wissenschaftliche Laufbahn seit vielen Jahren. Angefangen hat alles mit der Besichtigung des Verlags in Göttingen, die Herr Bausenwein und Herr Schünemann 2012 für mich organisiert haben. Ich habe ihnen von meinen wissenschaftlichen Interessen erzählt, und ihre Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Verlassen habe ich den Verlag damals mit 15 Büchern, die ich dann als empirisches Material für meine Habilitation benutzt habe.

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„Abstieg mit Ansage“ – Buchvorstellung in Kaiserslautern

Der Betzenberg mit Fritz-Walter-Stadion von der Stadt aus gesehen.

von Simon Kraßort – Was ist beim 1. FC Kaiserslautern seit 2010 passiert? Was muss der Klub in Zukunft besser machen?

Bei der Vorstellung von „Betze Leaks“ am 15. Mai wurden genau diese Fragen ausführlich diskutiert. Rund 50 Besucher kamen in die Thalia-Filiale in Kaiserslautern. Autor Andreas Erb sprach dort mit den Gästen Michael Ashelm (F.A.Z.), Dieter Buchholz (ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des FCK und mit seinem Unternehmen bfd buchholz-fachinformationsdienst GmbH langjähriger Sponsor des Klubs) und Klaus Becker (Mitglied des Ehrenrats) über sein neues Buch und die Situation beim Pfälzer Traidionsverein. Ein leerer Stuhl signalisierte dabei das Fehlen von Vereins- und Stadtoffiziellen, diente aber gleichzeitig als Einladung ans Publikum, sich an der Diskussion zu beteiligen – was auch rege genutzt wurde.

„Komische“ Stimmung

Gut besucht war die Podiumsdiskussion in der Thalia-Filiale in Kaiserslautern am 15. Mai anlässlich der Veröffentlichung von „Betze Leaks“.

Zunächst las Andreas Erb zur Einstimmung eine kurze Passage aus dem Buch, in der es um die Stimmung während der Aufstiegsfeiern 2010 ging, um die Fans an die Euphorie in der Pfalz im Jahr 2010 zu erinnern. Anschließend erzählte Klaus Becker etwas über die Gefühlslage der Fans heute: In der Stadt haben nach dem Abstieg in die Drittklassigkeit viele einfach nur Angst um den Verein und fragen sich, ob der Klub die Situation überlebt. Becker beschrieb die Stimmung nach und während des letzten Saisonspiels als „komisch“, es herrschte keine tiefe Trauer, es war schließlich für viele ein Abstieg, der sich lange angekündigt hatte – trotz der vielen Hoffnungsschimmer, die in der Rückrunde immer mal wieder aufkeimten. Man wusste nicht so recht, wohin mit seinen Gefühlen.

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RB Leipzig: Liebe und Hass

Von Christoph Schottes – Niemand liebt Fußballklubs, die als Marketingprojekt auf die cheap jerseys Welt kommen. In einer Großstadt, in der lange kein höherklassiger Fußball zu sehen war, schätzen trotzdem viele die Chance auf guten Sport und attraktive Gegner. – Geschlossene Man kann sich vorstellen, dass ein Buch über RB Leipzig deshalb ein schwieriges, viel diskutiertes Thema in den Programmkonferenzen unseres Hauses war (und ist). Einerseits wollten für wir den Anhängern des neuen Klubs eine erste Vereinsgeschichte bieten, eine Darstellung der ja durchaus spannenden ersten Jahre des „Projekts“ Spitzenfußball in Leipzig, und auch eine Würdigung der aktuellen Mannschaft, des Trainers, des sportlichen Aufstiegs in den letzten Jahren. Andererseits war uns an einer kritischen Auseinandersetzung gelegen: Was genau wird dem neuen Verein bzw. dessen Finanzier Mateschitz eigentlich vorgeworfen, wer sind die handelnden Akteure im Hintergrund, wie reagiert die Liga auf den neuen Mitbewerber, was steckt hinter der teils hoch aggressiven Abwehrreaktion vieler Fußballfans?

Ullrich Kroemer (rechts), dessen Buch viel diskutiert wurde, auf der Buchmesse in Leipzig beim Interview mit Uwe Karte vom MDR.
Ullrich Kroemer (rechts), dessen Buch viel diskutiert wurde, Links am Werkstatt-Stand auf der wholesale jerseys Buchmesse in Leipzig beim Interview mit Uwe Karte vom MDR.

Lange fanden wir keinen überzeugenden Ansatzpunkt für ein Buchprojekt, das dieser widersprüchlichen Gemengelage gerecht werden könnte. Bis Ullrich Kroemer auftauchte. Der Sportjournalist brachte genügend professionelle Distanz cheap jerseys mit – andererseits hat er als schreibender Begleiter des Leipziger Fußballs ein gutes Gespür für die Bedeutung von RBL vor Ort. 30.000 Zuschauer kommen schließlich nicht regelmäßig zu den Heimspielen ins Zentralstadion, weil sie die süßliche Plörre aus Salzburg so toll finden. Sie freuen sich vielmehr über ansehnlichen Fußball, den es in ihrer Stadt auf diesem Niveau lange nicht zu sehen gab.

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