Deutschland sucht den „Neuner“

Nummer 9
Dringend gesucht: neue „Neuner“ (Procsilas Moscas, via Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:T-shirt,_9.jpg)

von Dietrich Schulze-Marmeling (unter Mitarbeit von Kieran Schulze-Marmeling)

„Es wird nun im ganzen Land nach einem Torjäger gerufen, und in manchen Medien wird Joachim Löw zumindest eine Teilschuld daran gegeben, dass er diese Entwicklung aufgehalten hätte mit seiner Erfindung der ‚falschen Neun‘ in der Nationalmannschaft. Der Vorwurf ist einigermaßen absurd. Denn Löw hat nur darauf reagiert, dass nach Miroslav Klose kein weiterer Topmann stabil zur Verfügung stand.“ Jan Christian Müller in der „Frankfurter Rundschau“

Dem ist wenig hinzuzufügen. Aber schauen wir erst einmal, was das Fußballvolk bzw. die Millionen von Bundestrainern gemeinhin unter einem „Neuner“ (bzw. klassischen Mittelstürmer) versteht: Der Spieler sollte sich vorwiegend im gegnerischen Strafraum aufhalten sowie groß und kopfballstark (und damit ein Empfänger von Flanken) und ein „Knipser“ sein.

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Euro 2016 – eine Turnieranalyse

018889938_30300Von Kieran und Dietrich Schulze-Marmeling – Mit Deutschland ist die vielleicht taktisch und spielerisch überzeugendste Elf der EM 2016 im Halbfinale ausgeschieden. Der Ausfall von Gomez, Hummels und Khedira – und während des Halbfinals auch noch Boateng – war einfach zu viel. Hinzu kam eine höchst unglückliche Dramaturgie. Nach einer starken französischen Anfangsphase hatten die Deutschen das Spiel komplett dominiert, aber ohne ein Tor zu erzielen, was sicherlich eine Schwäche im deutschen Auftritt war. Ein Tor fiel stattdessen auf der Gegenseite – durch einen Strafstoß in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, den Bastian Schweinsteiger mit einem Handspiel verursacht hatte. Wenn es um ein Handspiel geht, ist das Ärgerliche an manchen Strafstößen: Es liegt ihnen nicht einmal die Verhinderung einer Torchance zu Grunde. Wilfried Sprenger (Westfälische Nachrichten) brachte die Problematik solcher Entscheidungen auf den Punkt: „So musste man die Situation nicht ahnden, aber die Maßnahme war auch nicht falsch.“ Vielleicht sollte man die Strafstoßregel mal überdenken und verfeinern. Mit der Führung im Rücken war der Rest des Halbfinals für die Franzosen leichter, wenngleich die DFB-Elf auch in diesem Spiel über weite Strecken die bessere war. Aber Frankreich war auch kein unverdienter Sieger.

Großartige, neue taktische Erkenntnisse kann man bei einer EM nicht erwarten. Hierfür sind die Teams viel zu wenig eingespielt. Hinzu kommt, dass das Turnier am Ende einer extrem strapaziösen Saison stattfand. Thomas Müller hatte in dieser Spielzeit einschließlich des EM-Halbfinals 63 Einsätze absolviert, was man ihm anmerkte. Es mangelte an mentaler Frische. Als Spieler von Bayern München, das in der Champions League in der Regel das Halbfinale erreicht, und Teilnehmer der WMs 2010 und 2014 sowie EM 2012 absolviert Müller ein solches Pensum bereits seit Jahren. In den sieben Spielzeiten 2009/10 bis 2015/16 kam Müller auf 429 Pflichtspiele, macht 61,28 pro Saison. Nicht mitgezählt: die Touren nach Asien und in die USA, um deren Märkte zu erobern.

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16 oder 24?

Wales
Die walisische Fußball-Nationalmannschaft schwört sich ein (hier vor dem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande im November 2015) – CC BY-SA 2.0: Jon Candy, (ohne Titel), https://www.flickr.com/photos/joncandy/21959436558/

von Dietrich Schulze-Marmeling – Die EM neigt sich ihrem Ende zu. Schon jetzt kann man sagen: Die Qualität war nicht berauschend. Hierfür wird u.a. die Ausweitung des Turniers von 16 auf 24 Mannschaften verantwortlich gemacht.

In der Tat gab es das eine oder andere gruselige Spiel. Nordirland gegen Wales war nach unseren Maßstäben bestenfalls 2. Bundesliga. Aber auch diese schauen wir uns an. Und den „Großen“ wurde nicht verboten, besser zu spielen. Die Kleinen haben nicht das Niveau der Großen hinuntergezogen. Dass Underdog-Teams einen eher defensiven, gearbeiteten Fußball bevorzugen, ist nichts Neues.

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Mein lieber Scholli – Mehmet Scholl und die Fußballtaktik

Dietrich Schulze-Marmeling
Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – TV-Experte Mehmet Scholl hat Bundestrainer Jogi Löw und seinen Stab heftig kritisiert. Die Entscheidung, gegen die Italiener mit einer Dreierkette zu spielen, sei falsch gewesen. Löw höre zu viel auf seinen Scouting-Experten Siegenthaler, der lieber morgens im Bett bleiben solle (um sich dort wund zu liegen).

Scholl ist bereits seit einiger Zeit die Generation der „Laptop-Trainer“ ein Dorn im Auge. Nur Laptop reicht auch heute ganz sicherlich nicht, um eine Mannschaft zum Erfolg zu führen. Und man kann auch nicht leugnen, dass das Pendel hier zuweilen etwas zu stark in Richtung Laptop schlägt. Manchmal wirken die Spieler etwas zu stark erzogen – auf Kosten individueller Kreativität. Aber dies ist ein anderes Thema, das mit Jogi Löw nichts zu tun hat. Ein reiner „Laptop-Trainer“ findet keinen Zugang zu seiner Mannschaft. Der Job des Trainers ist äußerst komplex. Ein guter Trainer beherrscht eine Fülle von Fähigkeiten – so wie Jogi Löw oder Pep Guardiola.

Auch ist Taktik nicht alles. Aber wenn Scholl uns glauben machen will, dass Taktik überhaupt nicht zählt, und diesen Eindruck gewinnt man bei ihm, liegt er ziemlich daneben. Dass er seinen Feldzug gegen taktische Finessen und taktische Flexibilität ausgerechnet anlässlich eines Spiels der deutschen Mannschaft gegen Italien intensiviert, ist einigermaßen absurd. Denn Italiens beeindruckende Erfolgsbilanz beruht nicht zuletzt darauf, dass in dieser Fußballnation die Taktik schon immer groß geschrieben wurde. Das EM-Viertelfinale hat uns allerdings auch gezeigt, dass Deutschland hier an Boden gewonnen hat.

Beim FC Bayern war Scholl Trainer der U23. Das hat nicht wirklich funktioniert. Eine U23 ist eine Entwicklungsmannschaft, deren Spieler u.a. in taktischer Flexibilität geschult werden sollten. Insofern war Scholls Entscheidung, den deutlich leichteren (und möglicherweise deutlich besser dotierten) Job eines TV-Experten zu wählen. Als TV-Experte hat Scholl bislang vornehmlich mit flotten Sprüchen auf sich aufmerksam gemacht. Manchmal wirkt er auch schlecht vorbereitet. Kennt er einen Spieler nicht wirklich, beispielsweise Belgiens Lukaku, belässt er es bei rätselhaften Andeutungen. Sein Partner Opdenhövel wagt es dann in der Regel nicht, mal etwas nachzubohren.

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Alles nur Neid?

Hardy Grüne

von Hardy Grüne – Nichts anderes als eine Neiddebatte sei es, wenn über die Honorare von Fußball-TV-Experten wie Memet Scholl oder Oliver Kahn gesprochen werde. Der Mediendienst „Kress“ hatte berichtet, es flössen bis zu 50.000 Euro Tagesgage.

Vorab: nichts ist bewiesen, es stehen lediglich Behauptungen im Raum. Sowohl ARD als auch Scholl und Kahn dementierten umgehend. „Die Zahl ist unwahr und meilenweit von der Wirklichkeit entfernt“, erklärte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Ähnliches war schon vor einigen Wochen nach der Neuvergabe der TV-Rechte zu hören gewesen. Damals hieß es, die ARD müsse jedes Jahr 34 Millionen Euro mehr zahlen. „Die Zahlen sind falsch“, erklärte Herres seinerzeit.

In beiden Fällen blieben diese Aussagen beleglos im Raum stehen, lehnte Herres Forderungen nach Offenlegung kategorisch ab. „Wir haben im Sport einen gedeckelten Etat von 250 Millionen Euro pro Jahr für alles. (…) Jeder Mitbewerber könnte sofort ausrechnen: Wie viel haben die noch?“ Das ist zweifelsohne berechtigt, ebenso wie niemand erwarten darf, dass Scholl und Kahn ihre Verdienste von sich aus offen legen. Das würde niemand von uns tun, und das sollte man auch „Stars“ zugestehen.

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Irland, Fußball und der Brexit

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von Dietrich Schulze-Marmeling – Bei der EM in Frankreich war die irische Insel erstmals mit zwei Teams vertreten. Beide Teams, das der nordirischen Irish Football Association (IFA) und das der südirischen Football Association of Ireland (FAI), sind im Achtelfinale ausgeschieden – einen bzw. zwei Tage nach dem britischen EU-Referendum, bei dem eine Mehrheit für den „Brexit“ votierte.

In Nordirland stimmten 55,8% der Urnengänger für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland in der EU. Katholiken/Nationalisten machten mit großer Mehrheit ihr Kreuzchen bei „remain“, eine nicht ganz so große Mehrheit der Protestanten/Unionisten bei „leave“.

Der interessanteste Aspekt war die Spaltung im unionistischen/protestantischen Lager, wo nur die Democratic Unionist Party (DUP) für den „Brexit“ mobilisierte. Allerdings ist die DUP die stärkste Partei Nordirlands. Im nordirischen Parlament besetzt sie 38 der 108 Sitze und stellt mit Arlene Foster auch den First Minister. Es folgen Sinn Féin (28), früher auch als politischer Arm der IRA bezeichnet, Ulster Unionist Party (UUP, 16), Social Democratic and Labour Party (SDLP, 12) und Alliance Party (8).

Northern_ireland_national_football_team_logoDie Spaltung des protestantischen/unionistischen Lagers wurde auch beim Achtelfinalspiel der Nordiren gegen Wales evident. Der nordirische Anhang bestand zwar zu ca. 90% aus Protestanten, die aber in Richtung des walisischen Fan-Blocks skandierten: „We voted remain, we voted remain, we aren’t stupid, we voted remain.“ (In Wales hatte eine Mehrheit für den „Brexit“ gestimmt.)

Schottland, wo sich eine noch größere Mehrheit als in Nordirland für den Verbleib in der EU aussprach, droht nun mit einem neuen Referendum über schottische Unabhängigkeit. In Nordirland fordert die republikanische „Sinn Féin“-Partei ein Referendum über die innerirische Grenze. Dass dieses das von Sinn Féin gewünschte Ergebnis bringen würde, ist ziemlich unwahrscheinlich. Viele der Protestanten, die pro „remain“ gestimmt haben, bleiben trotzdem Unionisten. Die Union ist ihnen noch wichtiger als die EU. Eine Mehrheit für einen Austritt aus dem UK und eine Vereinigung mit der Republik Irland kommt nur dann zustande, wenn nicht nur alle Katholiken dafür stimmen, sondern auch noch ein Teil der Protestanten, und die Menschen, die sich keinem der beiden Lager zugehörig fühlen. (2011 ergab ein Zensus, dass sich immerhin 25% der Katholiken nicht primär als Iren sieht, sondern als Nordiren. Und 2013 ergab eine Umfrage der BBC, dass im Falle eines Referendums nur 21% der Nordiren für die Wiedervereinigung votieren würden. Es schien so, als hätte sich die große Mehrheit Katholiken im nordirischen Staat eingerichtet – trotz des starken Stimmenanteils von Sinn Féin. Viele wählen die Partei nicht als Verfechter eines irischen Einheitsstaats, sondern als besten Vertreter ihrer politischen, sozialen und kulturellen Interessen. Allerdings dürfte nun das „Brexit“-Resultat bei Nordirlands Katholiken den Ruf nach einer Wiedervereinigung lauter werden lassen.)

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Eine EM ohne Holland – über die Krise des niederländischen Fußballs

von Kieran Schulze-Marmeling – „…Oranje ist eine mitleiderregende Mannschaft, die auf einem Endturnier nichts mehr zu suchen hat. Die niederländische Mannschaft anno 2015 erweckt den Eindruck eines steuerlosen Schiffs. Fußballerisch, beim Coaching, bei der Widerstandskraft, bei der Zweikampfstärke, beim technischen Vermögen und bei der Kreativität. Eigentlich bei allem.“ So Willem Vissers in der niederländischen Zeitung „De Volkskrant“ nach dem Scheitern der Elftal in der EM-Qualifikation. Die öffentlichen Reaktionen auf diesen Tiefpunkt der jüngeren niederländischen Fußballgeschichte dokumentierten ein großes Spektrum negativer Gefühle. Von Trauer, Wut und Pessimismus bezüglich der Zukunft der eigenen Nationalmannschaft bis hin zu Resignation und Häme. So titelte das Satire-Blatt „De Speld“ bereits eine mögliche Abmeldung der Elftal vom offiziellen Spielbetrieb: „De KNVB stopt met Nederlands voetbalelftal.“ Mag das für ein satirisches Magazin noch wenig ungewöhnlich sein, so erschien die Nüchternheit, mit der eine breite Öffentlichkeit das vermeintlich unerwartete Scheitern anschließend hinnahm, doch verwunderlich. „Ich sehe keine Nation in tiefer Trauer“, fasste Professor Dr. Friso Wielenga, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die öffentliche Stimmung zusammen. Ein verwunderlicher Zustand, betrachtet man, wie ungewöhnlich diese Situation doch eigentlich ist für die Niederlande. Um die Tragweite aufzuzeigen, sei erwähnt, dass sich die Elftal letztmals 1984 nicht für eine Europameisterschaft qualifiziert hatte. Bedenkt man nun, dass die Europameisterschaft 2016 die Erste ist, zu der 24 Mannschaften zugelassen sind und die Niederlande mit Tschechien, Island und der Türkei an Mannschaften gescheitert ist, die nicht zur Elite des europäischen Fußballs gehören, lässt dies das Ausscheiden gravierender als einen einmaligen Ausrutscher erscheinen.

Auf diesen Anblick mussten wir während der EM in Frankreich leider verzichten: Niederländische Fans beim sogenannten Public Viewing.
Auf diesen Anblick mussten wir während der EM in Frankreich leider verzichten: Niederländische Fans beim sogenannten Public Viewing. Quelle: CC BY-SA 2.0: Martin Abegglen, „Oranje auf dem Bundesplatz“, https://www.flickr.com/photos/twicepix/2584862304/

Hausgemachte Probleme

Die momentane Krise des niederländischen Fußballs ist weder plötzlich aufgetaucht, noch lässt sie sich kurzfristig lösen. Zwar ist das Potenzial der Nationalmannschaft sicher nicht so schlecht, wie es das Scheitern in der Europameisterschaftsqualifikation vermuten lässt. Dennoch ist offensichtlich, dass die Niederlande auf vielen Ebenen des Fußballs stagniert oder sich sogar zurückentwickelt. Sicher sind einige der Probleme, welche die Misere ausgelöst haben, nicht selbstverschuldet. Der Absturz des Klubfußballs lässt sich beispielsweise simpel über den finanziellen Faktor erklären. Dass die Vereine der Eredivisie international keine große Rolle mehr spielen, ist angesichts der immensen wirtschaftlichen Vorteile der Klubs aus den großen Ligen in Deutschland, England und Spanien gegenüber den Niederländern, völlig normal. Insbesondere, da bei den großen Vereinen nicht mehr nur in die besten Spieler investiert wird, sondern auch in Trainer und Strukturen. Des Weiteren haben andere Länder aufgeschlossen, indem sie ihre eigene Arbeit auf den Prüfstand gestellt und sich sogar mit Hilfe niederländischer Expertise weiterentwickelt haben. Dazu muss sich die Niederlande auch mit der Konkurrenz aufstrebender kleinerer Länder auseinandersetzen, die ihre Ausbildungsarbeit ebenfalls optimiert haben. Beispiele hierfür sind die Schweiz, Belgien oder auch Island.

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Russische Randale bei der EM

von Dietrich Schulze-Marmeling – Die Anzeichen verdichten sich, dass es sich bei der Gewaltorgie russischer Hooligans um eine professionell geplante und organisierte Aktion handelte. Das waren keine „normalen Hools“, mit denen sich die Engländer prügelten. Englische Bierbäuche trafen auf durchtrainierte Burschen, die einer paramilitärischen Truppe ähnelten. Bestens ausgebildet und in der Lage, „hyper-schnelle und hyper-gewalttätige Interventionen“ durchzuführen, wie es Brice Robin, der Staatsanwalt von Marseille, formulierte.

Offensichtlich genießt diese Gruppe die Unterstützung zumindest von Teilen der russischen Politik und des russischen Fußballverbands. Igor Lebedew, stellvertretender Präsident des russischen Parlaments und Mitglied im Vorstand des russischen Fußballverbands: „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht, Jungs! Weiter so!“ Die Hooligans hätten „die Ehre ihres Landes verteidigt und es den englischen Fans nicht gestattet, unser Land zu entweihen“. Und außerdem: In neun von zehn Fällen würden Fans zu Fußballspielen gehen, um zu kämpfen. Das sei normal.

Nicht nur Fußball

Für Lebedew geht es bei einer EM nicht nur um Fußball. Er will dem Westen vorführen, wie wehrlos, verweichlicht und schwul seine multikulturellen und liberalen Gesellschaften sind. Dazu passt auch ein Statement von Vladimir Markin, Leiter der Presseabteilung des einflussreichen Ermittlungskomitees der russischen Föderation, einer mit dem US-amerikanischen FBI vergleichbaren Behörde. Das Problem der französischen Polizisten sei, dass sie überrascht wären, wenn sie auf einen Mann träfen, der so aussieht, wie ein Mann aussehen sollte. Die Polizisten seien einfach zu sehr an schwule Mannsbilder gewöhnt – wegen der vielen Schwulen-Paraden in Frankreich.

Andrei Malosolov, Fußball-Journalist und ehemaliger Sekretär des russischen Fußballverbands, schrieb in einer Kolumne, wenn das russische Team ähnlich viel Leidenschaft zeigen würde wie seine Fans, würde es Europameister werden. Die Russen sollten stolz auf ihre Fans sein – ganz gleich, welche Konsequenzen deren Verhalten nun nach sich ziehen würde.

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Zeitgeschichtliches zur EM: Das Team Nordirland

Northern_ireland_national_football_team_logoVon Dietrich Schulze-Marmeling – Bei der EM in Frankreich wird die DFB-Elf im letzten Gruppenspiel auf Nordirland treffen. Für die Nordiren ist es die erste Teilnahme an einem großen Turnier seit der WM 1986 in Mexiko. Seither hatte sich die europäische Fußballlandkarte erheblich verändert. War Nordirland jahrzehntelang der Größte unter den Kleinen Europas gewesen (auch bei den WM-Turnieren 1958 und 1982 spielte die Provinz mit), so wurde diesem Status nun durch die Auflösung der Sowjetunion, Jugoslawiens und der Tschechoslowakei der Boden entzogen.

Zur verschärften Konkurrenz kam die konfessionelle und politische Spaltung des Landes hinzu. Bei den Katholiken konkurrierte Soccer mit den Gaelic Games (Gaelic Football, Hurling), die unter der Obhut der gesamtirischen, steinreichen und besonders in der Republik Irland politisch einflussreichen Gaelic Athletic Association (GAA) betrieben werden. Und sofern Katholiken kickten, konnten sie häufig mit der nordirischen Auswahl wenig anfangen: zu protestantisch, zu loyalistisch – vor allem die Fans betreffend.

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Geschichte als dritte Halbzeit – eine Replik auf Markwart Herzog

Der Religionsphilosoph Markwart Herzog hat rechtzeitig zum Pokalfinale den FC Bayern zur Aufarbeitung seiner Geschichte im Nationalsozialismus gemahnt.

Zu den entsprechenden Artikeln „Münchner Protokolle“, Spiegel Nr. 21/2016, sowie „FC Bayern sollte NS-Geschichte aufarbeiten“, SZ vom 21.5.2016, hier nun eine Entgegnung von Dirk Kämper, Autor des Buches „Kurt Landauer. Der Mann, der den FC Bayern erfand“, erschienen im Orell Füssli Verlag, Zürich 2014.

von Dirk Kämper – Mit großem Erstaunen habe ich die Erkenntnisse von Markwart Herzog in Spiegel und Süddeutscher Zeitung zur Kenntnis genommen. Mit Erstaunen deshalb, weil ich dort Dinge lese, die meinen eigenen Recherchen zu Kurt Landauer, dem mehrmaligen FC-Bayern-Präsidenten, in ganz wesentlichen Punkten widersprechen.

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