Sportpolitik der AfD – Nationale Anbiederung

Robert Claus

– von Robert Claus Nicht nur in der Klima- und Rentenpolitik bestach die Alternative für Deutschland in den vergangenen Monaten durch offene Konzeptlosigkeit. Auch in der Sportpolitik hatte die Partei bisher kaum etwas zu bieten. Um den Versuch zu unternehmen, diese Lücke ein Stück weit zu schließen, hat sie Ende August erstmals sportpolitische Positionen, in Form von 14 Thesen, veröffentlicht.

Vieles davon sind phrasenhafte Allgemeinplätze: Vom hohen gesellschaftlichen Stellenwert des Sports, seiner Bedeutung für eine „gesundheitsbewusste Lebensgestaltung“ ist dort die Rede. Gefordert wird, das nationale Ansehen durch Erfolge im Spitzensport zu fördern, gleichzeitig den Breitensport zu unterstützen und letztlich die Gelder für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu erhöhen. Dinge, die sich in ähnlicher Form auch in anderen Parteiprogrammen finden, wenngleich von der AfD des Öfteren mit den Begriffen von Volk und Nation gespickt. Ein verhältnismäßig zahmes Papier.

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Özil, Gündogan und „unsere Werte“

Über deutsche und türkische Gefühlslagen

Dietrich Schulze-Marmeling, Foto: Johannes Hölker

von Dietrich Schulze-Marmeling – „AfD wirkt!“, postete Alice Weidel, als Jogi Löw gegen die Schweden auf Mesut Özil verzichtete. Natürlich glaubt auch Weidel nicht, dass Löw eingesehen hat, dass dieser „Türke“ Mesut Özil nicht in eine deutsche Nationalmannschaft gehört. Was Weidel meint, ist, dass rassistisches Mobbing funktioniert. Die Hetz- und Hasskampagne hatte möglicherweise Özils Leistungsfähigkeit in einem Ausmaß gehemmt, dass der Bundestrainer entschied, ihm lieber eine Pause zu gönnen. Der gegen die Schweden eingewechselte Ilkay Gündogan spielte spürbar mutlos, war vorrangig darauf bedacht, einen Fehlpass zu vermeiden. Das, was ihn eigentlich auszeichnet, war kaum zu sehen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wäre Ilkay Gündogan – nicht Toni Kroos – das Missgeschick beim schwedischen Führungstor unterlaufen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte Ilkay Gündogan kurz vor dem Abpfiff ein Foul begangen, mit der Folge eines Freistoßes, der im deutschen Tor landet. Vermutlich wäre es ihm noch schlimmer ergangen als dem Schweden Jimmy Durmaz, der vor Toni Kroos‘ Kunstschuss Timo Werner gelegt hatte. Durmaz, der türkische Wurzeln hat, wurde anschließend in den sozialen Netzwerken mit rassistischen Schmähungen überschüttet. Außerdem erhielten er und seine Kinder (!) Morddrohungen. Die AfD, das ist so klar wie Kloßbrühe, will das Scheitern dieser Nationalelf. Denn diese Mannschaft hat mit ihren Vorstellungen von Deutschland nichts zu tun. Bernd „das braune Brot“ Höcke fieberte mit Island. Vermutlich weil das Team so schön weiß und „reinrassig“ ist.

Deutschland ist empört. Weniger über Weidel und Höcke, sondern weil Deutschlands Deutschtürken Erdogan gewählt haben. Zweifellos hat Erdogan die Özil/Gündogan-Debatte geholfen. Angesichts des Rassismus, der anschließend durch die sozialen Netzwerke tobte, und nicht nur dort, musste er nur noch die Füße stillhalten. Der Doppelpass zwischen türkischen und deutschen Nationalisten hat funktioniert.

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Über „Deutsch-Türken“, die Nationalelf und völkische Träume

Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – Hamit Altintop und Nuri Sahin sprechen fließend Deutsch. Besser als mancher Bio-Deutscher. Bislang hat kaum jemand behauptet, sie seien nicht integriert. Aus westdeutscher Sicht sind sie sicherlich integrierter als einige Sachsen. Hamit Altintop entschied sich aber trotzdem für eine Nationalspielerkarriere mit der Türkei. Altintop: „Ich bin Deutschland sehr, sehr dankbar, ich habe hier sehr viel gelernt und sehr viele Chancen bekommen. Aber meine Mama kommt aus der Türkei, mein Vater kommt aus der Türkei, ich bin Türke.“ Altintop kritisierte Mesut Özils Entscheidung, für die deutsche Nationalmannschaft – und nicht für die türkische – zu spielen: „Ich bin ein toleranter Mensch und respektiere Mesuts Weg, aber unterstützen kann ich ihn nicht.“

Auch Nuri Sahin entschied sich für die türkische Elf. Als Thilo Sarrazin seine kruden Thesen veröffentlichte, konterte Sahin: „Ich finde das nicht in Ordnung. Wir Muslime passen uns an. Die dritte Generation ist sehr gut in Deutschland integriert, viel besser als die früheren Generationen. In unserer Generation wird es keine Probleme mehr geben.“ Michael Horeni, der Sahin für die „FAZ“ interviewte: „Er sagt das sehr ruhig, und er sagt das auch nicht zum ersten Mal. Es ist seine Generation, von der er spricht, und deren Integrationsleistungen er verteidigt. Und man merkt, dass ihm etwas daran liegt, ein Gegengewicht zu schaffen in einer Integrationsdebatte, die derzeit geprägt ist von den Schattenseiten, von Abgrenzung, Verweigerung, von Parallelgesellschaften.“

Nationalismus oder Pragmatismus?

Sahin kommentierte Özils Pro-Deutschland-Entscheidung anders als Altintop. „Ich bin mit Mesut, Serdar (Tasci) und Jerome (Boateng) befreundet, aber ich habe von der U15 an für die Türkei gespielt. Mesut, Serdar und Jerome haben in den U-Mannschaften für Deutschland gespielt.“ Es hätte „nicht gepasst“, wenn er sich dann für Deutschland entschieden hätte, und umgekehrt auch nicht. „Die Jungs haben es nicht bereut, und ich habe es auch nicht bereut. Und das Wichtigste ist, dass man sich wohlfühlt.“

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