Niko Kovac: Anmerkungen zu einer (vermeintlichen) C-Lösung

Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – Mit Niko Kovac wird im Sommer 2018 eine C-Lösung neuer Trainer des FC Bayern. Ob der ehemalige Bayern-Spieler tatsächlich nur Trainer wurde, weil Heynckes nicht mehr wollte, Klopp vertraglich gebunden war und Tuchel keine Lust auf Uli Hoeneß hatte, sei dahingestellt.

Sicher ist, dass der deutsche Markt nicht wirklich viel hergab. Und für nicht-deutsche Toptrainer hat die Bundesliga möglicherweise an Attraktivität verloren. Real Madrid und der FC Barcelona sowieso, aber auch die Topadressen der Premier League ziehen mehr als der FC Bayern. Vielleicht sogar Paris St. Germain.

Aber der Kandidatenkreis war von vorneherein eingeschränkt, weil die Bayern einen Trainer wollten, der die deutsche Sprache beherrscht.

Kovac und die Eintracht

Kovacs Amtszeit bei Eintracht Frankfurt begann am 8. März 2016. Der Deutsch-Kroate trat die Nachfolge von Armin Veh an. Vorausgegangen waren sieben sieglose Spiele. Die Eintracht steckte tief im Abstiegskampf, lag nach 25 Spielen auf Platz 16, dem Relegationsplatz. Auch nach 34 Spielen war die Situation nicht besser. Unter Kovac holte die Eintracht aus den neun noch verbleibenden Spielen zwölf Punkte (von 27 möglichen), neun davon in den letzten vier Begegnungen. Die Eintracht befand sich also zunächst weiterhin im freien Fall, wenngleich am 27. Spieltag mit einem 1:0 über Hannover 96 endlich wieder ein Sieg gelang. In den neun Spielen unter Kovac traf die Eintracht nur sechsmal ins gegnerische Tor. In fünf Spielen blieb sie ohne Torerfolg. Die Relegationsspiele gegen den 1.FC Nürnberg wurden allerdings erfolgreich bewältigt.

In die Saison 2016/17 ging Kovac mit einem „extrem multikulturellen“ und – jedenfalls von außen betrachtet – ziemlich wild wirkenden Kader. Die Spieler kamen aus 17 Nationen. Kovac: „Jeder Spieler bringt etwas aus seiner Kultur ins Kollektiv mit. So ist es eine Bereicherung für uns alle.“ Außerdem dockte eine Reihe von Spielern nur auf Leihbasis in Frankfurt an. Der Kader war also alles andere als einfach. Nicht wenige hielten diesen Kader für kaum regierbar und prophezeiten den Frankfurtern eine schwere Saison. Umso überraschender war es, wie schnell es Kovac gelang, eine schlagkräftige Truppe zu formen. Die Eintracht belegte in dieser Saison Platz elf. Mit 43 Gegentoren war die Mannschaft auf Platz sieben, mit 36 geschossenen Toren auf Platz 13. Ihre Stärke lag somit in der Defensive. Der Beinahe-Absteiger der Vorsaison spielte eine starke Hinrunde (29 Punkte) und war nach 19 Spieltagen sogar Dritter. In den folgenden 15 Spielen ging die Eintracht allerdings nur noch zweimal als Sieger vom Platz. Zehnmal zog sie den Kürzeren, siebenmal ohne ein Tor zu erzielen. Aus den letzten fünf Bundesligaspielen holte die Mannschaft nur einen Punkt. Mit nur 13 Punkten fiel die Rückrunde deutlich schwächer aus als die Hinrunde. Allerdings erreichte sie das Pokalfinale, wo die Eintracht dem BVB nach einem guten Auftritt mit 1:2 unterlag.

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Anmerkungen zum „Fall Aubameyang“

Dietrich Schulze-Marmeling

Von Dietrich Schulze-Marmeling – Ich wundere mich immer wieder, dass Fans nicht wahrhaben wollen, dass Profifußballer tatsächlich Profifußballer sind.

Der Arbeitsplatz wird auch in anderen Berufen gewechselt – wegen eines höheren Gehalts, mehr Verantwortung und Macht, einer netteren Arbeitsatmosphäre, einer attraktiveren Stadt, dem Lebenspartner.

Wenn wir die mangelhafte Vertragstreue und Loyalität von Spielern beklagen (und dies manchmal berechtigterweise), dann sollten wir die anderen Akteure im Spiel (genauer: im Geschäft) nicht vergessen. Ein Spieler, der den Fans zu schwach ist oder ihnen auf Grund seiner Spielweise auf die Nerven geht, wird schon mal von den Rängen herunter aus der Mannschaft gemobbt. Der Spieler wird mehr oder weniger dazu gezwungen, das Weite zu suchen. Schließlich soll der Beruf auch ein bisschen Spaß bereiten. Aber es macht keinen Spaß, wenn bereits bei der Einwechselung das Murren und Pfeifen beginnt, wenn die Zuschauer deutlich demonstrieren: „Wir wollen nicht, dass du hier spielst.“ Manchmal wollen Fans sogar fast eine komplette Mannschaft wegschicken. (Im normalen Berufsleben würde dies folgender Situation entsprechen: Auf dem Flur vor dem Büro stehen 300 Leute, die lautstark fordern: „Hau ab!“ Und dabei vielleicht auch noch mit Gegenständen schmeißen.)

Auch Spieler werden ausgetauscht

Die Vereine schauen ständig nach Alternativen für einzelne Positionen. Eine ganze Armee von Scouts wird dafür beschäftigt. Und wenn sie die Alternative für die Position des linken Verteidigers gefunden haben, rückt der Spieler, der bislang die Position bekleidet hat, ins zweite Glied. Dabei spielt keine Rolle, dass er seit frühester Kindheit Fan des Vereins ist, seit dem 16. Lebensjahr in dessen Farben spielt und mit diesem zweimal Meister geworden ist.

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Die Bundesliga – eine Halbzeitbilanz

Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – „Verfall deutscher ‚Spitzenklasse!‘“, urteilten die Taktiknerds von spielverlagerung.de nach dem jüngsten Bundesligaduell zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund. Noch vor einigen Jahren seien diese Spiele „ein Augenschmaus“ gewesen. „Trainer bekriegten sich am Schachbrett; Spieler versuchten sich gegenseitig auszutricksen. Es ging darum, wer den Fußball hierzulande dominieren würde, wer schlauer als der andere ist.“

Als am 25. Mai 2013 im Finale der Champions League mit dem FC Bayern und dem BVB erstmals zwei deutsche Mannschaften aufeinander trafen, galt dies als Triumph des deutschen Klubfußballs über den spanischen. „El Pais“ titelte: „Adios Europa! Der Champion kommt aus Deutschland!“ Die internationale Presse dichtete Hymnen auf die Bundesliga. Schon damals wurde bezüglich der Spielstärke der Bundesliga etwas übertrieben. Dass „deutsche Finale“ kam auch zustande, weil das spanische Duo in dieser Saison schwächelte. Und der Premier League mangelte es noch an Trainern, die es verstanden, den Fußball ihrer Mannschaften auf die taktischen Anforderungen in Europa einzustellen.

In den folgenden Jahren erreichte nur noch der FC Bayern wenigstens das Halbfinale. 2015/16 war der seit dem Sommer 2013 von Pep Guardiola trainierte Rekordmeister vielleicht die beste Mannschaft Europas, scheiterte aber etwas unglücklich an Atlético Madrid.

Während seiner dreijährigen Amtszeit ließ Guardiola seine Bayern in diversen Systemen spielen, manchmal waren es in einem Spiel fünf oder sechs. Guardiolas Kollege Dieter Hecking: „Wenn ich die Bayern analysiert habe, wusste ich, wie sie anfangen. Aber ich wusste nie: Was machen sie nach 15 Minuten? Pep hat ja immer bewusst früh umgestellt, er wollte dem Gegner immer neue Aufgaben stellen.“ Laut Philipp Lahm stellte der Trainer „manchmal nur einfach so aus Spaß“ um. „Auch um zu zeigen, dass wir es können. Wenn es gut lief, wir zum Ende geführt und den Gegner an die Wand gespielt haben, stellte er eben noch einmal um. Aus Spaß am Spiel und um die Mannschaft weiterzuentwickeln.“ Möglich wurde dies, weil viele Spieler auch mal in andere Rollen als die angestammten schlüpften oder diese variantenreich interpretierten. Zumindest im Vergleich mit Real und Barça besaßen die Bayern einen schwächeren bzw. weniger mit individuellen Stars besetzten Kader. Was sie aber hatten, war ein exzellenter Trainer, der sein Ensemble auf eine spielerische und taktische Maximalhöhe trieb. Jogi Löw über die Guardiola-Bayern: „Sie haben die Champions League zwar nicht gewonnen, unter ihm aber als Verein einen Schritt nach vorne gemacht. Guardiola tat Bayern und der ganzen Liga gut.“

Ähnliches kann man auch über Thomas Tuchel sagen, der den BVB im Sommer 2015 übernahm, zu einer Vizemeisterschaft und einem Pokalsieg führte und in der Champions League Real Madrid ein Remis abtrotzte. Beim BVB war der Klopp’sche Fußball spätestens in der Saison 2014/15 an seine Grenzen gestoßen. Tuchel gelang überraschend schnell eine Reform des schwarz-gelben Spiels, das nun taktisch variabler wurde und – ähnlich wie das der Bayern – auf Dominanz und Ballbesitz setzte.

Die Bayern unter Ancelotti

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Nach 1945: der FC Bayern, seine Juden und die Nazis

Gerade erschienen: „Der FC Bayern, seine Juden und die Nazis“ von Dietrich Schulze-Marmeling

Von Dietrich Schulze-Marmeling – In diesen Tagen erscheint die dritte Auflage des Buches „Der FC Bayern und seine Juden“. Stark erweitert (um gut 120 Seiten) und mit vielen neuen Erkenntnissen. Eigentlich ein neues Buch, weshalb auch ein neuer Titel gewählt wurde: „Der FC Bayern, seine Juden und die Nazis.“ Besonders folgende Bereiche konnten auf Grund weiterer Recherchen ausgebaut und konkretisiert werden: der Prozess der Nazifizierung des FC Bayern, die Biografie des letzten „Vereinsführers“ Josef Sauter, der keineswegs, wie bislang angenommen wurde, ein überzeugter Nazi war, sondern vielmehr nach dem Krieg einer Spruchkammer in den Entnazifizierungsverfahren vorsaß (vom Autor des Buches und dieses Blog-Beitrags erstmals im Mai 2016 in der „Süddeutschen Zeitung“ angesprochen), die Biografien der jüdischen Opfer (der FC Bayern hatte mehr jüdische Mitglieder als bislang angenommen), die Rückkehr jüdischer Mitglieder nach 1945, aber auch der zunächst ausgeschlossenen ehemaligen NSDAP-Mitglieder.

Die Rückkehr der „Bayern-Juden“

Nach dem Ende des Krieges war es vornehmlich Siegfried Herrmann, in den Weimarer Jahren ein langjähriger Mitstreiter des ehemaligen jüdischen Klub-Präsidenten Kurt Landauer, der die erforderlichen Arbeiten für die Lizenzierung des FC Bayern bei der Militärregierung durchführte. Es „mußten (aus den Vereinsleitungen, Anm. d. Autors) sämtliche Parteigenossen ausscheiden. Mitglieder, die als Aktivisten angesprochen werden konnten, mußten sogar ausgeschlossen werden. Dazu war es notwendig, Berge von Fragebögen auszufüllen, Bürgen beizubringen usw., ehe man damit rechnen konnte, die Lizenz der Militärregierung in den Händen zu halten“ („50 Jahre FC Bayern“). Am 5. Juli 1946 beschloss eine Vorstandsitzung des FC Bayern den Ausschluss der ehemaligen NSDAP-Mitglieder.

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Der FC Bayern, die Nazis und Herr Herzog

von Dirk Kämper und Dietrich Schulze-Marmeling

Seit einigen Tagen befindet sich der von Dr. Markwart Herzog herausgegebene Band „Die ‚Gleichschaltung‘ des Fußballsports im nationalsozialistischen Deutschland“ auf dem Markt. Im Vorfeld hatte der Herausgeber kräftig die Werbetrommel gerührt und dabei seinen eigenen Beitrag in den Mittelpunkt gestellt: „Die drei ‚Arierparagrafen‘ des FC Bayern München. Opportunismus und Antisemitismus in den Satzungen des bayerischen Traditionsvereins“.

Startschuss zur Werbekampagne war ein vierseitiger Artikel im „Spiegel“ (Nr. 21/2016), dem Interviews auf „Spiegel online“ und auf „haGalil.com“ folgten. Hier bezichtigte Herzog speziell die Macher der FC Bayern Erlebniswelt (so nennt man heute Klubmuseen…) des „wissenschaftlichen Dilettantismus“ mit dem Ziel, dem FC Bayern eine „Heldengeschichte“ anzudichten. „De facto“ habe der Verein Juden sogar „schlechter behandelt als der nationalsozialistische Unrechtsstaat in seinen Rassengesetzen“.

Herzog verschickt nun mit der Werbung für sein Werk eine Muster-Rezension, die ein „Lew Jaschin“ für „haGalil.com“ verfasst hat. Dabei handelt es sich aber lediglich um einen reißerischen Ankündigungstext für das Buch – genauer: für Herzogs Beitrag in diesem Buch. Wer sich hinter dem Pseudonym „Lew Jaschin“ verbirgt, wissen wir nicht. „Lew Jaschin“ stellt u.a. die völlig unsinnige Behauptung auf, Dirk Kämper und Dietrich Schulze-Marmeling würden seit Jahren am Bayern-Mythos vom „liberalen ‚Judenverein‘“ stricken. An keiner Stelle haben die Autoren jemals behauptet, der FC Bayern sei ein „liberaler ‚Judenverein‘“ gewesen. Wir haben dem FC Bayern VOR 1933 eine gewisse Liberalität attestiert, weil er weltanschaulich neutral war (zu seinen Mitgliedern gehörten auch mindestens zwei später ermordete Widerstandskämpfer) und jüdische Bürger willkommen hieß. Als einen „Judenverein“ haben WIR den FC Bayern ganz sicherlich nicht bezeichnet – dies taten seine Gegner (und nun „Lew Jaschin“). Ganz abgesehen davon: Antisemitismus gab es im FC Bayern vor 1933, nach 1933 und auch noch nach 1945. Darüber kann man bei Schulze-Marmeling und Kämper lesen. Und selbst der Film „Der Präsident“ über Kurt Landauer, als fiktionaler Spielfilm weit mehr ein Kunstprodukt denn eine wissenschaftliche Aufarbeitung, behandelt im Kern das Thema des letztendlichen Scheitern Landauers an Kontinuitäten nationalsozialistischer und antisemitischer Ideen – sowohl in Deutschland als auch besonders innerhalb des FC Bayern München. Im Übrigen ist das Verdienst dieses Films die Aufklärung eines breiten Publikums über den jüdischen Beitrag im deutschen Fußball vor 1933, der bis dahin den wenigsten bewusst war.

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Eine EM ohne Holland – über die Krise des niederländischen Fußballs

von Kieran Schulze-Marmeling – „…Oranje ist eine mitleiderregende Mannschaft, die auf einem Endturnier nichts mehr zu suchen hat. Die niederländische Mannschaft anno 2015 erweckt den Eindruck eines steuerlosen Schiffs. Fußballerisch, beim Coaching, bei der Widerstandskraft, bei der Zweikampfstärke, beim technischen Vermögen und bei der Kreativität. Eigentlich bei allem.“ So Willem Vissers in der niederländischen Zeitung „De Volkskrant“ nach dem Scheitern der Elftal in der EM-Qualifikation. Die öffentlichen Reaktionen auf diesen Tiefpunkt der jüngeren niederländischen Fußballgeschichte dokumentierten ein großes Spektrum negativer Gefühle. Von Trauer, Wut und Pessimismus bezüglich der Zukunft der eigenen Nationalmannschaft bis hin zu Resignation und Häme. So titelte das Satire-Blatt „De Speld“ bereits eine mögliche Abmeldung der Elftal vom offiziellen Spielbetrieb: „De KNVB stopt met Nederlands voetbalelftal.“ Mag das für ein satirisches Magazin noch wenig ungewöhnlich sein, so erschien die Nüchternheit, mit der eine breite Öffentlichkeit das vermeintlich unerwartete Scheitern anschließend hinnahm, doch verwunderlich. „Ich sehe keine Nation in tiefer Trauer“, fasste Professor Dr. Friso Wielenga, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die öffentliche Stimmung zusammen. Ein verwunderlicher Zustand, betrachtet man, wie ungewöhnlich diese Situation doch eigentlich ist für die Niederlande. Um die Tragweite aufzuzeigen, sei erwähnt, dass sich die Elftal letztmals 1984 nicht für eine Europameisterschaft qualifiziert hatte. Bedenkt man nun, dass die Europameisterschaft 2016 die Erste ist, zu der 24 Mannschaften zugelassen sind und die Niederlande mit Tschechien, Island und der Türkei an Mannschaften gescheitert ist, die nicht zur Elite des europäischen Fußballs gehören, lässt dies das Ausscheiden gravierender als einen einmaligen Ausrutscher erscheinen.

Auf diesen Anblick mussten wir während der EM in Frankreich leider verzichten: Niederländische Fans beim sogenannten Public Viewing.
Auf diesen Anblick mussten wir während der EM in Frankreich leider verzichten: Niederländische Fans beim sogenannten Public Viewing. Quelle: CC BY-SA 2.0: Martin Abegglen, „Oranje auf dem Bundesplatz“, https://www.flickr.com/photos/twicepix/2584862304/

Hausgemachte Probleme

Die momentane Krise des niederländischen Fußballs ist weder plötzlich aufgetaucht, noch lässt sie sich kurzfristig lösen. Zwar ist das Potenzial der Nationalmannschaft sicher nicht so schlecht, wie es das Scheitern in der Europameisterschaftsqualifikation vermuten lässt. Dennoch ist offensichtlich, dass die Niederlande auf vielen Ebenen des Fußballs stagniert oder sich sogar zurückentwickelt. Sicher sind einige der Probleme, welche die Misere ausgelöst haben, nicht selbstverschuldet. Der Absturz des Klubfußballs lässt sich beispielsweise simpel über den finanziellen Faktor erklären. Dass die Vereine der Eredivisie international keine große Rolle mehr spielen, ist angesichts der immensen wirtschaftlichen Vorteile der Klubs aus den großen Ligen in Deutschland, England und Spanien gegenüber den Niederländern, völlig normal. Insbesondere, da bei den großen Vereinen nicht mehr nur in die besten Spieler investiert wird, sondern auch in Trainer und Strukturen. Des Weiteren haben andere Länder aufgeschlossen, indem sie ihre eigene Arbeit auf den Prüfstand gestellt und sich sogar mit Hilfe niederländischer Expertise weiterentwickelt haben. Dazu muss sich die Niederlande auch mit der Konkurrenz aufstrebender kleinerer Länder auseinandersetzen, die ihre Ausbildungsarbeit ebenfalls optimiert haben. Beispiele hierfür sind die Schweiz, Belgien oder auch Island.

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Geschichte als dritte Halbzeit – eine Replik auf Markwart Herzog

Der Religionsphilosoph Markwart Herzog hat rechtzeitig zum Pokalfinale den FC Bayern zur Aufarbeitung seiner Geschichte im Nationalsozialismus gemahnt.

Zu den entsprechenden Artikeln „Münchner Protokolle“, Spiegel Nr. 21/2016, sowie „FC Bayern sollte NS-Geschichte aufarbeiten“, SZ vom 21.5.2016, hier nun eine Entgegnung von Dirk Kämper, Autor des Buches „Kurt Landauer. Der Mann, der den FC Bayern erfand“, erschienen im Orell Füssli Verlag, Zürich 2014.

von Dirk Kämper – Mit großem Erstaunen habe ich die Erkenntnisse von Markwart Herzog in Spiegel und Süddeutscher Zeitung zur Kenntnis genommen. Mit Erstaunen deshalb, weil ich dort Dinge lese, die meinen eigenen Recherchen zu Kurt Landauer, dem mehrmaligen FC-Bayern-Präsidenten, in ganz wesentlichen Punkten widersprechen.

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Bayern gegen Juve, oder: der Gipfel des Guardiola-Bashings

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Pep Guadiola bei der Bayern-Meisterfeier 2014 (Harald Bischoff, „Pep Guardiola bei der Siegesfeier des FC-Bayern im Hof des Münchner Rathauses“, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pep_Guardiola_9498.jpg)

– von Kieran Schulze-Marmeling. Eins direkt mal vorweg: Ja, ich bin Fan der Arbeit Guardiolas. Was nicht heißt, dass ich nicht auch mal Entscheidungen hinterfrage. Im Gegenteil, genau das finde ich so interessant an ihm. Im Gegensatz zu anderen Trainern gibt es bei ihm kein „never change a winning team“. Ich bewundere das, weil der Trainer sich auf diese Weise viel angreifbarer macht, als wenn er immer nur auf die selbe Mannschaft setzen würde. Was übrigens zugleich impliziert, dass ihm das Wohl des Vereins deutlich wichtiger ist als sein eigenes.

Dieser Text wurde von Gastautor Kieran Schulze-Marmeling in der Nacht nach dem 4:2-Sieg des FC Bayern gegen Juventus Turin verfasst. Kieran war in der Saison 2015/16 Co-Trainer in der U19-Bundesliga und hat seine Bachelorarbeit über die Krise des niederländischen Fußballs geschrieben. Wir halten seine Sicht im Kontext des gestern von Dietrich Schulze-Marmeling veröffentlichten Beitrags über die Form der Kritik an Guardiola ebenfalls für lesenswert.

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Anmerkungen zum Guardiola-Bashing

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Pep Guardiola bei einer Champions-League-Pressekonferenz im Jahr 2015 (Bogdan Zajaz, „Pep Guardiola as a coach of Bayern Munich 2015“, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pep_Guardiola_2015.jpg)

von Dietrich Schulze-Marmeling – Kurz vor Guardiolas Abgang nach England überschlagen sich einige Experten darin, dessen Leistungen beim FC Bayern herabzuwürdigen. Mit Felix Magath nun auch ein ehemaliger Bayern-Trainer, der in der Sendung „kicker.tv – Der Talk“ lapidar behauptete: „Ohne Champions League-Gewinn hätte das sicher auch ein anderer geschafft.“ Magath stellte sogar Guardiolas Wirken beim FC Barcelona nachträglich in Frage: „Guardiola hatte bei Barcelona die besten Spieler Europas.“ Richtig ist: Guardiola hatte einige der besten Spieler Europas. Und viele von ihnen gehörten in diese Kategorie, weil Guardiola sie ausgebildet oder weiterentwickelt hatte.

Nun, was lässt sich über Magaths Dienstzeit beim FC Bayern sagen? Als Magath im Sommer 2004 vom VfB Stuttgart zu den Bayern wechselte, machte er keinen Hehl daraus, dass es ihm primär um die Anreicherung seiner Vita um Titel ging. „Eine echte Chance, mit meiner Mannschaft Deutscher Meister zu werden, hatte ich in Stuttgart nicht.“ Schon damals konnte man Titel am ehesten mit dem FC Bayern gewinnen. Und auch damals wurde der Gewinn der Meisterschaft als Selbstverständlichkeit betrachtet.

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Geschlossene Gesellschaft?

Choreo der Bayern-Fans vor dem "Finale dahoam" 2012 gegen Chelsea. Autor: "rayand", CC-BY 2.0, https://www.flickr.com/photos/27478478@N00/7233018776
Choreo der Bayern-Fans vor dem „Finale dahoam“ 2012 gegen Chelsea.
Autor: „rayand“, CC-BY 2.0, https://www.flickr.com/photos/27478478@N00/7233018776

Von Dietrich Schulze-MarmelingIn Frankreich führt das von Katar gesponserte Paris St. Germain nach 32 Spieltagen die Tabelle mit einem Vorsprung von 25 Punkten an. Dies wusste man bereits vor Anpfiff der Saison. In der englischen Premier League gestaltet sich die Situation völlig anders. Dort führt nach 32 Spieltagen Leicester City, das nun wirklich niemand auf der Rechnung hatte. Hingegen ist für das von den Vereinigten Arabischen Emiraten gepäppelte Manchester City der Meisterschaftszug so gut wie abgefahren. City und Lokalrivale United müssen sogar um die Qualifikation zur Champions League zittern – trotz immenser Investitionen in ihre Kader. Liverpool liegt nur auf Platz neun, Roman Abramowitschs Chelsea auf Platz zehn – 25 Punkte hinter Leicester City. Ich weiß nicht, ob ich Leicesters Fußball mag. Aber darum geht es nicht. Es ist einfach eine schöne Geschichte, die dokumentiert, dass es noch einen Rest Gerechtigkeit und Überraschung im Fußball gibt.

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