Wenn die Körpersprache stimmt. Oder auch nicht.

Bernd-M. Beyer: Körpersprache mangelhaft!

von Bernd-M. Beyer – Ich gebe es zu: Meine Körpersprache ist ein einziges Elend. Meine Schultern hängen nach unten und auch noch nach vorn; mein Gang ist gebeugt und schlurfend, mein Blick gesenkt. Gegen mich ist Mesut Özil ein aggressives Ausrufezeichen.

Ich weiß nicht, warum das so ist; einen Psychologen habe ich deswegen nie konsultiert. Ich bin schon als Kind so dahergelaufen, meine Oma hat vergebens versucht, es mir auszutreiben. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich seinerzeit kindliche Minderwertigkeitskomplexe geplagt hätten. Es war einfach so. Vielleicht messe ich aus diesem Grund der Körpersprache keine besondere Aussagekraft zu. Unglücklicherweise befinde ich mich damit im Gegensatz zur großen Mehrheit des deutschen Fußballvolks. Und seiner Kommentatoren im Fernsehen.

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Der Fußball und das Bier

Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – Die Ehe von Fußball und Bier ist fast so alt wie das moderne Spiel selbst. Der Fußball und das Bier – das ist die älteste kommerzielle Verbindung in diesem Sport. Die Aufstiege der berühmten britischen Klubs FC Liverpool, Manchester United und Celtic Glasgow waren zumindest auch das Werk von Bierbrauern und Gastwirten, die im Fußball einen großen Absatzmarkt erblickten. Aber auch in Deutschland waren diese nicht selten erste Mäzene und wirtschaftliche Profiteure des Spiels.

Ohne Bier kein FC Liverpool

Beginnen wir mit England, dem Mutterland des Fußballs. Den FC Liverpool würde es hier ohne Bier gar nicht geben. Denn der Klub wurde nicht zuletzt gegründet, um die kommerziellen Interessen eines Bierbrauers zu befriedigen.

Der FC Everton, gegründet 1878, ist der ältere der beiden Liverpooler Premier-League-Klubs. Everton spielte zunächst an der Anfield Road, vielen nur als Spielstätte der „Reds“ bekannt. Besitzer der Spielstätte war John Houlding, seit 1881 Präsident des FC Everton.

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„Die Arbeit auf dem Platz muss wieder im Vordergrund stehen“

Dietrich Schulze-Marmeling

Dietrich Schulze-Marmeling im Gespräch mit Lars Mrosko, ehemals u.a. Scout beim FC Bayern und VfL Wolfsburg – Das Wochenende, an dem Deutschland die Schweden in letzter Sekunde schlug, verbrachte ich in Berlin. Eigentlich stand ein Besuch der Waldbühne auf dem Programm, wo Simon Rattle sein Abschiedskonzert gab. Aber ein Infekt, den ich mir in Russland zugezogen hatte, haute mich nieder. So verbrachte ich die meiste Zeit im Bett unseres Hotels in Kreuzberg, von wo aus ich ein Geräusch vernahm, das ich kaum noch kannte: das Geräusch von auf der Straße kickenden Kindern.

In einer einigermaßen fitten Stunde schwang ich mich aufs Fahrrad und fuhr zum etwa zwei Kilometer entfernt gelegenen Platz von Türkiyemspor Berlin. Nach dieser elenden Debatte um die Deutschtürken im deutschen Nationaltrikot war mir irgendwie danach. Bei Türkiyemspor fand gerade ein Kinderturnier statt, und zwar auf einem Kunstrasenplatz, bei dem die besorgten Väter und Mütter münsterländischer Mittelstandskids ihre Kleinen in Watte eingepackt und einen Fahrradhelm mitgegeben hätten. Betonhart, schon der pure Anblick verursachte Schmerzen in den Gelenken. Umso netter und herzlicher war die Atmosphäre bei diesem Turnier, entsprechend den Botschaften, die auf einer Tafel im Vereinsheim mitgeteilt wurden:

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Barhocker-Momente

Was bei früheren Weltmeisterschaften und vor Toni Kroos’ Freistoß besser war und was nicht

 

Sascha Theisen

von Sascha Theisen – Kurz bevor Toni Kroos am vergangenen Samstag seinen genialen rechten Fuß auspackte und den Treffer erzielte, den man sich nun in den branchenüblichen Mediatheken aus zehn verschiedenen Perspektiven anschauen kann, war es nach vielen Jahren voller Halbfinals und Endspielen plötzlich so weit: Ein ganzer Sommer stand auf dem Spiel – nicht mehr und nicht weniger. In den Kneipen der Republik quälten viel zu große Hinterteile viel zu kleine Barhocker und ließen den Rest ihres Körpers erbarmungslos vibrieren. Leinwände im ganzen Land wurden mit panikartigen Flüchen belegt, und die Entrüstung über „Die Mannschaft“ nahm kein Ende mehr.

Es war die pure Angst vor einem Turnier-Aus, die die Deutschen im ganzen Land plötzlich ergriff – ein WM-Turnier-Aus in einer Vorrunde. Bis dahin war das größte WM-Desaster das legendäre Aus in der Zwischenrunde der WM 1978 gegen Hans Krankl und Eddie Finger im argentinischen Córdoba gewesen. Ansonsten feierte man auf den Barhockern der Nation immer mindestens das Viertelfinale und selbst das galt in Jahren wie 1962, 1994 oder 1998 schon als nationale Scham. Ein Vorrunden-Aus wäre also die Mutter aller Katastrophen und passt daher schon mal gar nicht zum deutschen Selbstverständnis. Am Samstagabend schien es aber tatsächlich so weit zu sein – eine nationale Katastrophe. Und der Anfang eines „Früher-war-alles-besser-Sommers“.

Ein Glück gibt es für solche Sommer passende Umfragen, wie die Heldentaten-Umfrage, die eben schon vorher weiß, dass früher alles besser war. Gemeinsam mit den Kölner Marktforschern von respondi haben wir nämlich eine repräsentative Gruppe von 1.000 deutschen Durchschnitts-Viertelfinalisten dazu befragt, was aus ihrer Sicht die größten WM-Momente waren – negativ wie positiv. Warum haben wir das gemacht?

  • Um Momente wie den von Samstag noch etwas intensiver erleben zu können.
  • Um genau zu wissen, was früher alles besser war.
  • Um genau zu wissen, was früher alles schlechter war.
  • Um mehr Bücher des wunderbaren WM-Buchs „Heldentaten – die größten deutschen WM-Spiele“ zu verkaufen.
  • Um mehr Bücher des wunderbaren WM-Buchs „Helden – die größten deutschen WM-Legenden von Bern bis Rio“ zu verkaufen.

Und hier sind die Ergebnisse:

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40 Jahre WM 1978 in Argentinien. Die Geschichte des Schiedsrichters Abraham Klein

Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – Abraham Klein erblickte 1934 im rumänischen Timisoara das Licht der Welt. Die heute ca. 320.000 Einwohner zählende Stadt im Westen Rumäniens wird häufig als schönste des Landes beschrieben. Kleins Erinnerungen an Timisoara sind weniger schön. 1920 zählte die Stadt über 8.000 Bürger jüdischer Abstammung, das waren etwa zehn Prozent der damaligen Bevölkerung. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Antisemitismus in Timisoara Hochkonjunktur. Im August 1941 wurden alle männlichen Juden zwischen 18 und 50 Jahren in ein Zwangsarbeitslager verfrachtet. Außerdem konfiszierten die Behörden einen Großteil des jüdischen Immobilieneigentums.

Am 17. August 1942 stimmte der rumänische „Staatsführer“ Marshall Ion Antonescu der Deportation der Juden aus Arad, Timisoara und Turda zu. Aus Timisoara wurden bis 1943 2.888 Menschen verschleppt. 1947 lebten wieder etwa 13.600 Juden in Timisoara, viele von ihnen waren ab 1943 aus Ungarn geflohen.

Aber Timisoaras Juden wurden unter der nun kommunistischen Herrschaft nicht heimisch. Die meisten wanderten nach Israel aus. Heute steht in Timisoara nur noch eine von ehemals sechs Synagogen, die Zahl der Juden beträgt nur wenige hundert.

Ein großer Teil der Familie Abraham Kleins wurde Opfer des Holocausts. Abrahams Vater, der in Budapest für die 2. Mannschaft des stark jüdisch geprägten MTK gespielt hatte, verließ Rumänien 1937. Abraham war damals 13. Er überlebte die Judenverfolgung in einer engen Wohnung – mit seiner Mutter, deren sechs Schwestern und den Großeltern.

1947 wurde Klein mit 500 jüdischen Kindern zur Erholung ins niederländische Apeldoorn gebracht. Seither galten seine Sympathien mehr Apeldoorn als seiner Geburtsstadt. Nach einem Jahr ging Klein nach Israel und in ein Kibbuz, anschließend zu seinen Eltern, die nun in Haifa lebten.

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England, der Nachwuchs und die WM 2018

Ein Interview mit Raphael Honigstein

Raphael Honigstein

Raphael Honigstein, Jahrgang 1973, lebt seit 22 Jahren als Journalist, Fernsehexperte und Autor in London. Er berichtet u.a. für Spiegel Online, ESPN und BT Sport über den englischen und deutschen Fußball. Honigstein ist auch Autor einer exzellenten Jürgen-Klopp-Biografie („Ich mag wenn’s kracht“), die im Herbst 2017 bei Ullstein erschien. Weitere sehr lesenswerte Veröffentlichungen aus seiner Feder: „Der vierte Stern: Wie sich der deutsche Fußball neu erfand“ (ebenfalls Ullstein) und „Harder, better, faster, stronger – Die geheime Geschichte des englischen Fußballs“ (Kiepenheuer & Witsch 2006, erweiterte Neuauflage März 2017).

Kieran Schulze-Marmeling (KSM) sprach mit Honigstein (RH) über die jüngsten Erfolge des englischen Fußballnachwuchses, der 2017 gleich drei Titel abräumte und die Fans der Engländer im Vorfeld der WM 2018 träumen lässt.

 

KSM: Nachdem sich die „goldene Generation“ um Steven Gerrard, David Beckham, Frank Lampard oder Paul Scholes nach und nach verabschiedete, kamen große Sorgen um den englischen Fußball auf. Wie ist die aktuelle Fülle an Talenten, die nach oben streben, zu erklären?

RH: Seit der Einführung des „Elite Player Performance Plans“ (EPPP) im Jahr 2011 hat sich die Qualität der Nachwuchsspieler stetig verbessert. Der Plan erleichterte vor allem den größeren Klubs die gezielte Förderung von Talenten und öffnet auch die Tür für Spiele der Nachwuchsmannschaften gegen professionelle Teams der unteren Ligen, zum Beispiel in der Checker Trade Trophy. Besonders bei Manchester City und Tottenham werden Riesensummen in die Nachwuchsförderung gesteckt.

„Auch in Sachen Persönlichkeitsentwicklung und schulische Ausbildung gibt es weiterhin Defizite.“

KSM: Hat es konkrete strukturelle Veränderungen in der Nachwuchsarbeit Englands gegeben, die zum momentanen Erfolg geführt haben?

RH: Abgesehen von den strukturellen Veränderungen, die (bei den Spitzenklubs) nach und nach greifen, spielen auch spezielle Faktoren eine Rolle. Bei Tottenham, die gerade eine ganze Menge guter neuer Spieler in die Liga bringen, ist mit Mauricio Pochettino ein überzeugter Jugendförderer Trainer und dazu das Geld für größere Transfers etwas knapp. Die Spurs bauen gerade ein neues Stadion.

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Mehmet Scholl und die „Studenten“

Dietrich Schulze-Marmeling

Von Dietrich Schulze-Marmeling – Mehmet Scholl prognostiziert den Untergang des deutschen Fußballs. Schuld seien die „Studenten“, die die Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs übernommen hätten. Mit „Laptop-Trainern“ wie Domenico Tedesco und Hannes Wolf würde der deutsche Fußball „sein blaues Wunder erleben“. Vor allem in der Nachwuchsarbeit hätten solche Fußballlehrer nichts zu suchen: „Wir verlieren die Basis. Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.“

Ja, es ist ein bisschen gemein. Aber bei Scholl kann ich mich nie des Eindrucks erwehren, dass hier ein Enttäuschter spricht. Jemand, der ein großer Spieler war und deshalb nicht verstehen kann, dass niemand auf die Idee kommt, ihm einen Job als Trainer- oder Ausbilder anzubieten. Scholl ist erst 47. Aber wenn er auf junge Trainer eindrischt, wirkt er häufig erstaunlich alt.

Trainer oder Spieler, das sind zwei ziemlich unterschiedliche Dinge. Eine erfolgreiche Spielerkarriere kann für den Trainerjob sehr hilfreich sein. Der Trainer sollte schon wissen, wie eine Fußballmannschaft funktioniert. Dafür muss er aber nicht auf höchstem Level gespielt haben. Viele große Ex-Spieler haben als Trainer wenig gerissen: Mario Basler und der von Scholl in höchsten Tönen gerühmte Stefan Effenberg sind nur zwei von vielen Beispielen. Der Trainer Lothar Matthäus war zwar etwas erfolgreicher als seine beiden ehemaligen Bayern-Kameraden, aber vom gleichnamigen Weltklassespieler trennt ihn trotzdem mehr als nur eine Liga. Umgekehrt waren auffallend viele erfolgreiche Trainer eher mittelmäßige Spieler: Volker Finke, Ralf Rangnick und Thomas Tuchel schafften es als Spieler nur in die dritte Liga, Jürgen Klopp kickte auch nur zweitklassig. Joachim Löw kam als Aktiver in der ersten Liga nie richtig an, wurde aber als Trainer immerhin Weltmeister. International kann man diese Liste noch u.a. durch José Mourinho und Alex Ferguson ergänzen.

Als Spieler eine Bereicherung

Mehmet Scholl hat als Spieler den deutschen Fußball bereichert. Als Trainer hinterließ er im Nachwuchsbereich des FC Bayern kaum Spuren. Finke, Rangnick, Tuchel, Klopp und Löw konnten Scholl auf dem Spielfeld nicht das Wasser reichen. Aber als Trainer haben sie dem deutschen Fußball wichtige Impulse gegeben.

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Celtic vs. The Hibs – Ein Reisebericht

von Sascha Theisen – Glasgow ist keine schöne Stadt. Um ihr zu schmeicheln, könnte man sagen: Sie lebt von ihren Menschen. Wollte man das tun, also ihr schmeicheln, müsste man allerdings die Gestalten der Nacht ausschließen. Denn die Schotten des Nachtlebens sind alles andere als schmeichelhaft: Frauen, mit Hochdruckluftpistole in ihre Kleider geschossen, laufen auf Schuhen, die selbst lettischen Pornostars zu hoch wären, durch vollgekotzte Straßen auf denen robuste Männer auf den Zeitpunkt warten, sie endlich mit nach Hause zu nehmen. Keine Frage, sollte Gottes Finger eines Tages vor Zorn die Erde berühren, das Nachtleben in britischen Metropolen wird chancenlos sein.

Ein gänzlich anderes Bild bietet Glasgow allerdings, wenn Spieltag ist. Ich durfte das am letzten Wochenende erleben, als ich den Celtic Park besuchte. Offenbar schliefen die Nachtgespenster noch. Denn plötzlich waren die bemerkenswert schnell gesäuberten Straßen Glasgows mit Vätern und Söhnen bevölkert, die in Grün und Weiß gekleidet zum Spiel ihres Teams gingen oder fuhren. Der lange Weg von der U-Bahn-Station zum Stadion mutete an wie eine heilige Prozession in den Farben der Celtics, zumal sich die Rangers offenbar in jenen Kneipen verschanzten, die sie demonstrativ mit dem „Union Jack“ markieren. Dies war der Samstag stolzer Menschen, die die „Lisbon Lions“ im Herzen tragen, jener einzigen schottischen Mannschaft, die vor genau 50 Jahren den Europapokal der Landesmeister gewann.

Der britische Fußball hat sich verändert. Kein Alkohol vor dem Stadion, keine Gesänge an den Eingangstoren und Menschen mit vollständigen Zahnreihen. Was man einerseits als Verlust der britischen Fankultur kritisieren könnte, ist für neutrale Fußballreisende im Vorruhestand wie unsereins eine durchaus schätzenswert entspannte Angelegenheit. Trotzdem sind einige Standards geblieben: enge Eingangsbereiche zum Beispiel, die erklären warum Frank Pagelsdorf, Dieter Schatzschneider oder Reiner Calmund nie nach Großbritannien wechselten, steile Ränge in den Stadien und ein inbrünstiges „You’ll never walk alone“ vor dem Spiel. Die Atmosphäre im Celtic Park hatte mich sofort gefesselt. Sie versöhnte mich mit Glasgow nach all den Nachtgestalten und all der Tristesse einer Industriestadt, in der es vorher nicht viel mehr zu entdecken gab als ein beeindruckendes Wandgemälde gleich über „Barneys Beergarden“. Celtic Glasgow gab mir viel von dem, was ich mir eigentlich von der ganzen Stadt erhofft hatte.

Come on, you Hibs!

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Nach 1945: der FC Bayern, seine Juden und die Nazis

Gerade erschienen: „Der FC Bayern, seine Juden und die Nazis“ von Dietrich Schulze-Marmeling

Von Dietrich Schulze-Marmeling – In diesen Tagen erscheint die dritte Auflage des Buches „Der FC Bayern und seine Juden“. Stark erweitert (um gut 120 Seiten) und mit vielen neuen Erkenntnissen. Eigentlich ein neues Buch, weshalb auch ein neuer Titel gewählt wurde: „Der FC Bayern, seine Juden und die Nazis.“ Besonders folgende Bereiche konnten auf Grund weiterer Recherchen ausgebaut und konkretisiert werden: der Prozess der Nazifizierung des FC Bayern, die Biografie des letzten „Vereinsführers“ Josef Sauter, der keineswegs, wie bislang angenommen wurde, ein überzeugter Nazi war, sondern vielmehr nach dem Krieg einer Spruchkammer in den Entnazifizierungsverfahren vorsaß (vom Autor des Buches und dieses Blog-Beitrags erstmals im Mai 2016 in der „Süddeutschen Zeitung“ angesprochen), die Biografien der jüdischen Opfer (der FC Bayern hatte mehr jüdische Mitglieder als bislang angenommen), die Rückkehr jüdischer Mitglieder nach 1945, aber auch der zunächst ausgeschlossenen ehemaligen NSDAP-Mitglieder.

Die Rückkehr der „Bayern-Juden“

Nach dem Ende des Krieges war es vornehmlich Siegfried Herrmann, in den Weimarer Jahren ein langjähriger Mitstreiter des ehemaligen jüdischen Klub-Präsidenten Kurt Landauer, der die erforderlichen Arbeiten für die Lizenzierung des FC Bayern bei der Militärregierung durchführte. Es „mußten (aus den Vereinsleitungen, Anm. d. Autors) sämtliche Parteigenossen ausscheiden. Mitglieder, die als Aktivisten angesprochen werden konnten, mußten sogar ausgeschlossen werden. Dazu war es notwendig, Berge von Fragebögen auszufüllen, Bürgen beizubringen usw., ehe man damit rechnen konnte, die Lizenz der Militärregierung in den Händen zu halten“ („50 Jahre FC Bayern“). Am 5. Juli 1946 beschloss eine Vorstandsitzung des FC Bayern den Ausschluss der ehemaligen NSDAP-Mitglieder.

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Fußball-Derbys in Belfast

Von Dietrich Schulze-Marmeling – Am 5. Oktober spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Belfast gegen Nordirland. Eine kleine Gruppe, zu der u.a. die Werkstatt-Lektoren Bernd Beyer und Christoph Schottes sowie Werkstatt-Autor Gregor Schnittker gehören, wird aus diesem Anlass in Belfast eine kleine Fußballtour unternehmen. Auf dem Programm stehen u.a. Glentoran Belfast, Belfast Celtic Museum, Museum der Irish Football Association (IFA), George Best House, die Grabstätten der Legenden Elisha Scott und Charlie Tully, Wandgemälde zum Thema Fußball (und Fußball & Politik) sowie diverse Pubs, die mit dem Fußball zu tun haben.

Im Folgenden ein Überblick über die Belfaster Fußballlandschaft und Derbys. Der Beitrag erschien bereits in kürzerer Form im „Zeitspiel“-Magazin.

Belfasts Derby-Geschichte ist aus zwei Gründen kompliziert. Erstens: Es gibt gleich mehrere Derbys – einige sind „ethno-kultureller“ Art, andere nur durch sportliche und geografische Rivalität geprägt. Zweitens: Das größte Derby in der Geschichte nicht nur des Belfaster Fußballs, sondern auch des nordirischen, ja sogar des irischen überhaupt, existiert bereits seit über sechs Jahrzehnten nicht mehr, ist aber immer noch ein Thema, zu dem periodisch ausführliche Zeitungsartikel und Bücher erscheinen.

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