Alles nur Neid?

Hardy Grüne

von Hardy Grüne – Nichts anderes als eine Neiddebatte sei es, wenn über die Honorare von Fußball-TV-Experten wie Memet Scholl oder Oliver Kahn gesprochen werde. Der Mediendienst „Kress“ hatte berichtet, es flössen bis zu 50.000 Euro Tagesgage.

Vorab: nichts ist bewiesen, es stehen lediglich Behauptungen im Raum. Sowohl ARD als auch Scholl und Kahn dementierten umgehend. „Die Zahl ist unwahr und meilenweit von der Wirklichkeit entfernt“, erklärte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Ähnliches war schon vor einigen Wochen nach der Neuvergabe der TV-Rechte zu hören gewesen. Damals hieß es, die ARD müsse jedes Jahr 34 Millionen Euro mehr zahlen. „Die Zahlen sind falsch“, erklärte Herres seinerzeit.

In beiden Fällen blieben diese Aussagen beleglos im Raum stehen, lehnte Herres Forderungen nach Offenlegung kategorisch ab. „Wir haben im Sport einen gedeckelten Etat von 250 Millionen Euro pro Jahr für alles. (…) Jeder Mitbewerber könnte sofort ausrechnen: Wie viel haben die noch?“ Das ist zweifelsohne berechtigt, ebenso wie niemand erwarten darf, dass Scholl und Kahn ihre Verdienste von sich aus offen legen. Das würde niemand von uns tun, und das sollte man auch „Stars“ zugestehen.

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„Genug ist nicht genug“

von Hardy Grüne – Sandro Wagner möchte bedauert werden. Seine „komplette Jugend“ habe er vernichtet, um für Geld Fußball spielen zu können. „Du hast kaum Freunde in der Jugend, kannst nicht einfach in die Disco abends. Da musst du fit sein, da hast du Spiele“, klagt er über die Folgen der regelmäßigen Trainings- und Übungseinheiten, die der Versuch, im Leistungssport eine Karriere hinzulegen, so mitbringen.

Klingt ein bisschen nach dem 13-jährigen Mädel aus meiner Nachbarschaft, die beim örtlichen Handballklub spielt und fast jeden Sonntagmorgen um 9 Uhr auf der Platte zu stehen hat. Mit 13 ist sie noch nicht im Disco-Alter, doch ihr künftiges Problem ist absehbar, denn sie ist ehrgeizig und will eines Tages in der Verbandsligamannschaft ihres Klubs spielen. Dazu braucht es nicht nur Ehrgeiz und Talent, sondern vor allem Bereitschaft zum Verzicht.

Ihre Sportsachen zahlt sie übrigens selbst. Wie auch den Mitgliedsbeitrag beim Verein, damit sie überhaupt spielen kann. Und wie die Mannschaft am frühen Sonntagmorgen zu den Auswärtsspielen in bis zu 50 Kilometer vom Wohnort entfernte Sporthallen kommt, ist allwöchentlich hitzig diskutierter Streitpunkt unter den Eltern der jungen Damen. Denn die leisten den entsprechenden Fahrdienst. Ehrenamtlich, auf eigene Kosten und mit persönlichem Risiko. Willkommen in der Welt des Leistungssports.

Verdienen Profifußballer genug? Sandro Wagner hat seine Meinung zu diesem Thema kundgetan. Foto: "Icetea 99" (Autor), "Sandro Wagner nach Tor", Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sandro_Wagner_im_Trikot_von_Darmstadt.jpg
Verdienen Profifußballer genug? Sandro Wagner hat seine Meinung zu diesem Thema kundgetan. Foto: „Icetea 99“ (Autor), „Sandro Wagner nach Tor“, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sandro_Wagner_im_Trikot_von_Darmstadt.jpg

Sandro Wagner meint, wenn man sich so vehement für eine Sache einsetze, wie er es getan habe, müsse man entsprechend entlohnt werden. Und dann seien selbst 12 Mio. Euro, wie sie so mancher Kollege beim FC Bayern einsackt, längst nicht genug. Mir fällt es schwer, bei diesen Aussagen nicht zynisch zu werden. Zumal in Zeiten, in denen breite Bevölkerungsschichten Sorgen um ihre Renten haben und vor allem die Jugend häufig vor der Aussicht auf eine schleppende Karriere im Prekariat steht.

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