Hooliganprozess in Leipzig

Robert Claus

von Robert Claus – Am 11. Januar 2016, am Rande des einjährigen Bestehens von Legida, randalierten über 200 Neonazis und rechte Hooligans durch den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz. Dort ist auch die Fanszene der BSG Chemie Leipzig beheimatet. Es sollte ein Fanal gegen die als links geltende Fanszene sowie die staatliche Migrationspolitik werden. Im August 2018 beginnen die ersten Prozesse.

Die Gruppe organisierte ihre Aktion geheim und bestens vorbereitet. Zahlreiche Fensterscheiben lokaler Geschäfte wurden eingeworfen, Autos angezündet. Ein Schaden von 112.000 Euro entstand. Der Polizei gelang es an jenem Abend, über 200 Tatverdächtige festzunehmen: neben einer Reihe an rechter Politprominenz aus Sachsen vor allem Hooligans aus fast allen Fanszenen der Region. Szenekundige Beamte ordneten sie wie folgt zu: Lok Leipzig (41), Hallescher FC (1), Dynamo Dresden (16), Rot-Weiß Erfurt (4), Carl-Zeiss Jena (2), Chemnitzer FC (1), RB Leipzig (1). 39 von ihnen waren auch in der umstrittenen Datei „Gewalttäter Sport“ verzeichnet. Somit befindet sich die Gruppe dieses Übergriffs in einer langen Tradition der Vernetzung zwischen Neonazis und rechten Hooligans in Sachsen. Sie reicht zurück bis zu den „Skinheads Sächsische Schweiz“ (SSS) und den „Hooligans Nazis Rassisten“ (HooNaRa).

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UFC in Hamburg

von Robert ClausDie Ultimate Fighting Championship (UFC), der weltweit größte Mixed-Martial-Arts-Veranstalter, gastiert einmal jährlich in Deutschland. Wie schon 2017 machte die Promotion am vergangenen Sonntag in Hamburg Halt und bot ein anspruchsvolles Kampfsportevent. Die Kommerzialisierung des MMA hat jedoch ihr Für und Wider.

Die Halle ist dunkel, auf den vier großen Videoleinwänden in der Hamburger Barclaycard Arena wird ein Trailer für kommende Events eingespielt: Zu dicken Bässen trainieren TJ Dillashaw und Cody Garbrandt in verrucht ausgeleuchteten Gyms, ihre besten Fightmoves werden wiederholt, in schnellen Schnitten inszeniert. Es ist die Ankündigung für die UFC 227, die Rivalität der beiden Kämpfer hat Geschichte. Bei der UFC 217 im November 2017 gewann Dillashaw den Titelkampf der beiden. Die UFC weiß das Rematch in Szene zu setzen, solche Kämpfe medial aufzubauen. Denn für sie ist MMA Sport und Unterhaltung im ganz großen Stil.

Und unter der Leinwand in der Hamburger Arena? Die Leute beginnen, sich zu langweilen. Der Trailer wird nicht zum ersten Mal abgespielt, er dient als Pausenfüller. Und davon gibt es genügend. Die ersten Kämpfe des Abends gingen nicht alle über die volle Distanz von drei Runden, man liegt gehörig vor dem Zeitplan. Vorziehen kann man die restlichen Kämpfe kaum. Denn alle Kämpfer haben ihr Warm-Up-Programm. Doch vor allem geht es ums Pay-per-View. Damit alle zahlenden Kunden auf ihre Kosten kommen, dürfen die Hauptkämpfe nicht vor 20 Uhr beginnen. Zum Teil sehr zähe und lange Kampfpausen sind die Folge.

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Russische Randale bei der EM

von Dietrich Schulze-Marmeling – Die Anzeichen verdichten sich, dass es sich bei der Gewaltorgie russischer Hooligans um eine professionell geplante und organisierte Aktion handelte. Das waren keine „normalen Hools“, mit denen sich die Engländer prügelten. Englische Bierbäuche trafen auf durchtrainierte Burschen, die einer paramilitärischen Truppe ähnelten. Bestens ausgebildet und in der Lage, „hyper-schnelle und hyper-gewalttätige Interventionen“ durchzuführen, wie es Brice Robin, der Staatsanwalt von Marseille, formulierte.

Offensichtlich genießt diese Gruppe die Unterstützung zumindest von Teilen der russischen Politik und des russischen Fußballverbands. Igor Lebedew, stellvertretender Präsident des russischen Parlaments und Mitglied im Vorstand des russischen Fußballverbands: „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht, Jungs! Weiter so!“ Die Hooligans hätten „die Ehre ihres Landes verteidigt und es den englischen Fans nicht gestattet, unser Land zu entweihen“. Und außerdem: In neun von zehn Fällen würden Fans zu Fußballspielen gehen, um zu kämpfen. Das sei normal.

Nicht nur Fußball

Für Lebedew geht es bei einer EM nicht nur um Fußball. Er will dem Westen vorführen, wie wehrlos, verweichlicht und schwul seine multikulturellen und liberalen Gesellschaften sind. Dazu passt auch ein Statement von Vladimir Markin, Leiter der Presseabteilung des einflussreichen Ermittlungskomitees der russischen Föderation, einer mit dem US-amerikanischen FBI vergleichbaren Behörde. Das Problem der französischen Polizisten sei, dass sie überrascht wären, wenn sie auf einen Mann träfen, der so aussieht, wie ein Mann aussehen sollte. Die Polizisten seien einfach zu sehr an schwule Mannsbilder gewöhnt – wegen der vielen Schwulen-Paraden in Frankreich.

Andrei Malosolov, Fußball-Journalist und ehemaliger Sekretär des russischen Fußballverbands, schrieb in einer Kolumne, wenn das russische Team ähnlich viel Leidenschaft zeigen würde wie seine Fans, würde es Europameister werden. Die Russen sollten stolz auf ihre Fans sein – ganz gleich, welche Konsequenzen deren Verhalten nun nach sich ziehen würde.

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