Congratulations Leicester

von Dietrich Schulze-Marmeling – Über das Himmelfahrtswochenende fahre ich mit drei Jugendmannschaften nach Manchester. Auf dem Rückweg zum Kontinent wollten wir noch ein Premier-League-Spiel mitnehmen. Entlang der Route kamen nur Aston Villa, Crystal Palace, West Ham und Leicester in Betracht.

Eine im Herbst 2015 gestellte Anfrage nach 76 Tickets wurde nur von Leicester City beantwortet. Man würde mein Anliegen mit Wohlwollen behandeln, aber eine Zusage für so viele Tickets sei zum augenblicklichen Zeitpunkt nicht möglich. Man müsse den Saisonverlauf abwarten. Vielleicht ginge es für die Mannschaft ja am vorletzten Spieltag bzw. im letzten Heimspiel noch um etwas. In der Saison 2014/15 sah Aufsteiger Leicester lange Zeit wie der Absteiger Nr. 1 aus. Leicester war nach 28 von 38 Spielen Tabellenletzter. Der Abstand zum rettenden Ufer betrug sieben Punkte. Zehn Spieltage später hatte Leicester sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang. Von den letzten neun Spielen hatte man sieben gewonnen. Vermutlich steckte meinem Kommunikationspartner dieses dramatische Saisonfinale in den Knochen. Vermutlich erwartete er erneut einen langen Abstiegskampf. Dachte ich wenigstens, weshalb ich freundlich zurückschrieb: „Alles klar! Melde mich noch einmal im Frühjahr. Bin mir aber sicher, dass Leicester am 37. Spieltag im gesicherten Mittelfeld steht – jenseits von Gut und Böse!“

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Geschlossene Gesellschaft?

Choreo der Bayern-Fans vor dem "Finale dahoam" 2012 gegen Chelsea. Autor: "rayand", CC-BY 2.0, https://www.flickr.com/photos/27478478@N00/7233018776

Choreo der Bayern-Fans vor dem „Finale dahoam“ 2012 gegen Chelsea.
Autor: „rayand“, CC-BY 2.0, https://www.flickr.com/photos/27478478@N00/7233018776

Von Dietrich Schulze-MarmelingIn Frankreich führt das von Katar gesponserte Paris St. Germain nach 32 Spieltagen die Tabelle mit einem Vorsprung von 25 Punkten an. Dies wusste man bereits vor Anpfiff der Saison. In der englischen Premier League gestaltet sich die Situation völlig anders. Dort führt nach 32 Spieltagen Leicester City, das nun wirklich niemand auf der Rechnung hatte. Hingegen ist für das von den Vereinigten Arabischen Emiraten gepäppelte Manchester City der Meisterschaftszug so gut wie abgefahren. City und Lokalrivale United müssen sogar um die Qualifikation zur Champions League zittern – trotz immenser Investitionen in ihre Kader. Liverpool liegt nur auf Platz neun, Roman Abramowitschs Chelsea auf Platz zehn – 25 Punkte hinter Leicester City. Ich weiß nicht, ob ich Leicesters Fußball mag. Aber darum geht es nicht. Es ist einfach eine schöne Geschichte, die dokumentiert, dass es noch einen Rest Gerechtigkeit und Überraschung im Fußball gibt.

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