Anmerkungen zum „Fall Aubameyang“

Dietrich Schulze-Marmeling

Von Dietrich Schulze-Marmeling – Ich wundere mich immer wieder, dass Fans nicht wahrhaben wollen, dass Profifußballer tatsächlich Profifußballer sind.

Der Arbeitsplatz wird auch in anderen Berufen gewechselt – wegen eines höheren Gehalts, mehr Verantwortung und Macht, einer netteren Arbeitsatmosphäre, einer attraktiveren Stadt, dem Lebenspartner.

Wenn wir die mangelhafte Vertragstreue und Loyalität von Spielern beklagen (und dies manchmal berechtigterweise), dann sollten wir die anderen Akteure im Spiel (genauer: im Geschäft) nicht vergessen. Ein Spieler, der den Fans zu schwach ist oder ihnen auf Grund seiner Spielweise auf die Nerven geht, wird schon mal von den Rängen herunter aus der Mannschaft gemobbt. Der Spieler wird mehr oder weniger dazu gezwungen, das Weite zu suchen. Schließlich soll der Beruf auch ein bisschen Spaß bereiten. Aber es macht keinen Spaß, wenn bereits bei der Einwechselung das Murren und Pfeifen beginnt, wenn die Zuschauer deutlich demonstrieren: „Wir wollen nicht, dass du hier spielst.“ Manchmal wollen Fans sogar fast eine komplette Mannschaft wegschicken. (Im normalen Berufsleben würde dies folgender Situation entsprechen: Auf dem Flur vor dem Büro stehen 300 Leute, die lautstark fordern: „Hau ab!“ Und dabei vielleicht auch noch mit Gegenständen schmeißen.)

Auch Spieler werden ausgetauscht

Die Vereine schauen ständig nach Alternativen für einzelne Positionen. Eine ganze Armee von Scouts wird dafür beschäftigt. Und wenn sie die Alternative für die Position des linken Verteidigers gefunden haben, rückt der Spieler, der bislang die Position bekleidet hat, ins zweite Glied. Dabei spielt keine Rolle, dass er seit frühester Kindheit Fan des Vereins ist, seit dem 16. Lebensjahr in dessen Farben spielt und mit diesem zweimal Meister geworden ist.

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Deutschland sucht den „Neuner“

Nummer 9
Dringend gesucht: neue „Neuner“ (Procsilas Moscas, via Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:T-shirt,_9.jpg)

von Dietrich Schulze-Marmeling (unter Mitarbeit von Kieran Schulze-Marmeling)

„Es wird nun im ganzen Land nach einem Torjäger gerufen, und in manchen Medien wird Joachim Löw zumindest eine Teilschuld daran gegeben, dass er diese Entwicklung aufgehalten hätte mit seiner Erfindung der ‚falschen Neun‘ in der Nationalmannschaft. Der Vorwurf ist einigermaßen absurd. Denn Löw hat nur darauf reagiert, dass nach Miroslav Klose kein weiterer Topmann stabil zur Verfügung stand.“ Jan Christian Müller in der „Frankfurter Rundschau“

Dem ist wenig hinzuzufügen. Aber schauen wir erst einmal, was das Fußballvolk bzw. die Millionen von Bundestrainern gemeinhin unter einem „Neuner“ (bzw. klassischen Mittelstürmer) versteht: Der Spieler sollte sich vorwiegend im gegnerischen Strafraum aufhalten sowie groß und kopfballstark (und damit ein Empfänger von Flanken) und ein „Knipser“ sein.

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