Alles nur Neid?

Hardy Grüne

von Hardy Grüne – Nichts anderes als eine Neiddebatte sei es, wenn über die Honorare von Fußball-TV-Experten wie Memet Scholl oder Oliver Kahn gesprochen werde. Der Mediendienst „Kress“ hatte berichtet, es flössen bis zu 50.000 Euro Tagesgage.

Vorab: nichts ist bewiesen, es stehen lediglich Behauptungen im Raum. Sowohl ARD als auch Scholl und Kahn dementierten umgehend. „Die Zahl ist unwahr und meilenweit von der Wirklichkeit entfernt“, erklärte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Ähnliches war schon vor einigen Wochen nach der Neuvergabe der TV-Rechte zu hören gewesen. Damals hieß es, die ARD müsse jedes Jahr 34 Millionen Euro mehr zahlen. „Die Zahlen sind falsch“, erklärte Herres seinerzeit.

In beiden Fällen blieben diese Aussagen beleglos im Raum stehen, lehnte Herres Forderungen nach Offenlegung kategorisch ab. „Wir haben im Sport einen gedeckelten Etat von 250 Millionen Euro pro Jahr für alles. (…) Jeder Mitbewerber könnte sofort ausrechnen: Wie viel haben die noch?“ Das ist zweifelsohne berechtigt, ebenso wie niemand erwarten darf, dass Scholl und Kahn ihre Verdienste von sich aus offen legen. Das würde niemand von uns tun, und das sollte man auch „Stars“ zugestehen.

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Geschichte als dritte Halbzeit – eine Replik auf Markwart Herzog

Der Religionsphilosoph Markwart Herzog hat rechtzeitig zum Pokalfinale den FC Bayern zur Aufarbeitung seiner Geschichte im Nationalsozialismus gemahnt.

Zu den entsprechenden Artikeln „Münchner Protokolle“, Spiegel Nr. 21/2016, sowie „FC Bayern sollte NS-Geschichte aufarbeiten“, SZ vom 21.5.2016, hier nun eine Entgegnung von Dirk Kämper, Autor des Buches „Kurt Landauer. Der Mann, der den FC Bayern erfand“, erschienen im Orell Füssli Verlag, Zürich 2014.

von Dirk Kämper – Mit großem Erstaunen habe ich die Erkenntnisse von Markwart Herzog in Spiegel und Süddeutscher Zeitung zur Kenntnis genommen. Mit Erstaunen deshalb, weil ich dort Dinge lese, die meinen eigenen Recherchen zu Kurt Landauer, dem mehrmaligen FC-Bayern-Präsidenten, in ganz wesentlichen Punkten widersprechen.

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Bayern gegen Juve, oder: der Gipfel des Guardiola-Bashings

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Pep Guadiola bei der Bayern-Meisterfeier 2014 (Harald Bischoff, „Pep Guardiola bei der Siegesfeier des FC-Bayern im Hof des Münchner Rathauses“, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pep_Guardiola_9498.jpg)

– von Kieran Schulze-Marmeling. Eins direkt mal vorweg: Ja, ich bin Fan der Arbeit Guardiolas. Was nicht heißt, dass ich nicht auch mal Entscheidungen hinterfrage. Im Gegenteil, genau das finde ich so interessant an ihm. Im Gegensatz zu anderen Trainern gibt es bei ihm kein „never change a winning team“. Ich bewundere das, weil der Trainer sich auf diese Weise viel angreifbarer macht, als wenn er immer nur auf die selbe Mannschaft setzen würde. Was übrigens zugleich impliziert, dass ihm das Wohl des Vereins deutlich wichtiger ist als sein eigenes.

Dieser Text wurde von Gastautor Kieran Schulze-Marmeling in der Nacht nach dem 4:2-Sieg des FC Bayern gegen Juventus Turin verfasst. Kieran war in der Saison 2015/16 Co-Trainer in der U19-Bundesliga und hat seine Bachelorarbeit über die Krise des niederländischen Fußballs geschrieben. Wir halten seine Sicht im Kontext des gestern von Dietrich Schulze-Marmeling veröffentlichten Beitrags über die Form der Kritik an Guardiola ebenfalls für lesenswert.

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Anmerkungen zum Guardiola-Bashing

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Pep Guardiola bei einer Champions-League-Pressekonferenz im Jahr 2015 (Bogdan Zajaz, „Pep Guardiola as a coach of Bayern Munich 2015“, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pep_Guardiola_2015.jpg)

von Dietrich Schulze-Marmeling – Kurz vor Guardiolas Abgang nach England überschlagen sich einige Experten darin, dessen Leistungen beim FC Bayern herabzuwürdigen. Mit Felix Magath nun auch ein ehemaliger Bayern-Trainer, der in der Sendung „kicker.tv – Der Talk“ lapidar behauptete: „Ohne Champions League-Gewinn hätte das sicher auch ein anderer geschafft.“ Magath stellte sogar Guardiolas Wirken beim FC Barcelona nachträglich in Frage: „Guardiola hatte bei Barcelona die besten Spieler Europas.“ Richtig ist: Guardiola hatte einige der besten Spieler Europas. Und viele von ihnen gehörten in diese Kategorie, weil Guardiola sie ausgebildet oder weiterentwickelt hatte.

Nun, was lässt sich über Magaths Dienstzeit beim FC Bayern sagen? Als Magath im Sommer 2004 vom VfB Stuttgart zu den Bayern wechselte, machte er keinen Hehl daraus, dass es ihm primär um die Anreicherung seiner Vita um Titel ging. „Eine echte Chance, mit meiner Mannschaft Deutscher Meister zu werden, hatte ich in Stuttgart nicht.“ Schon damals konnte man Titel am ehesten mit dem FC Bayern gewinnen. Und auch damals wurde der Gewinn der Meisterschaft als Selbstverständlichkeit betrachtet.

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