Mehmet Scholl und die „Studenten“

Dietrich Schulze-Marmeling

Von Dietrich Schulze-Marmeling – Mehmet Scholl prognostiziert den Untergang des deutschen Fußballs. Schuld seien die „Studenten“, die die Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs übernommen hätten. Mit „Laptop-Trainern“ wie Domenico Tedesco und Hannes Wolf würde der deutsche Fußball „sein blaues Wunder erleben“. Vor allem in der Nachwuchsarbeit hätten solche Fußballlehrer nichts zu suchen: „Wir verlieren die Basis. Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.“

Ja, es ist ein bisschen gemein. Aber bei Scholl kann ich mich nie des Eindrucks erwehren, dass hier ein Enttäuschter spricht. Jemand, der ein großer Spieler war und deshalb nicht verstehen kann, dass niemand auf die Idee kommt, ihm einen Job als Trainer- oder Ausbilder anzubieten. Scholl ist erst 47. Aber wenn er auf junge Trainer eindrischt, wirkt er häufig erstaunlich alt.

Trainer oder Spieler, das sind zwei ziemlich unterschiedliche Dinge. Eine erfolgreiche Spielerkarriere kann für den Trainerjob sehr hilfreich sein. Der Trainer sollte schon wissen, wie eine Fußballmannschaft funktioniert. Dafür muss er aber nicht auf höchstem Level gespielt haben. Viele große Ex-Spieler haben als Trainer wenig gerissen: Mario Basler und der von Scholl in höchsten Tönen gerühmte Stefan Effenberg sind nur zwei von vielen Beispielen. Der Trainer Lothar Matthäus war zwar etwas erfolgreicher als seine beiden ehemaligen Bayern-Kameraden, aber vom gleichnamigen Weltklassespieler trennt ihn trotzdem mehr als nur eine Liga. Umgekehrt waren auffallend viele erfolgreiche Trainer eher mittelmäßige Spieler: Volker Finke, Ralf Rangnick und Thomas Tuchel schafften es als Spieler nur in die dritte Liga, Jürgen Klopp kickte auch nur zweitklassig. Joachim Löw kam als Aktiver in der ersten Liga nie richtig an, wurde aber als Trainer immerhin Weltmeister. International kann man diese Liste noch u.a. durch José Mourinho und Alex Ferguson ergänzen.

Als Spieler eine Bereicherung

Mehmet Scholl hat als Spieler den deutschen Fußball bereichert. Als Trainer hinterließ er im Nachwuchsbereich des FC Bayern kaum Spuren. Finke, Rangnick, Tuchel, Klopp und Löw konnten Scholl auf dem Spielfeld nicht das Wasser reichen. Aber als Trainer haben sie dem deutschen Fußball wichtige Impulse gegeben.

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Mein lieber Scholli – Mehmet Scholl und die Fußballtaktik

Dietrich Schulze-Marmeling
Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – TV-Experte Mehmet Scholl hat Bundestrainer Jogi Löw und seinen Stab heftig kritisiert. Die Entscheidung, gegen die Italiener mit einer Dreierkette zu spielen, sei falsch gewesen. Löw höre zu viel auf seinen Scouting-Experten Siegenthaler, der lieber morgens im Bett bleiben solle (um sich dort wund zu liegen).

Scholl ist bereits seit einiger Zeit die Generation der „Laptop-Trainer“ ein Dorn im Auge. Nur Laptop reicht auch heute ganz sicherlich nicht, um eine Mannschaft zum Erfolg zu führen. Und man kann auch nicht leugnen, dass das Pendel hier zuweilen etwas zu stark in Richtung Laptop schlägt. Manchmal wirken die Spieler etwas zu stark erzogen – auf Kosten individueller Kreativität. Aber dies ist ein anderes Thema, das mit Jogi Löw nichts zu tun hat. Ein reiner „Laptop-Trainer“ findet keinen Zugang zu seiner Mannschaft. Der Job des Trainers ist äußerst komplex. Ein guter Trainer beherrscht eine Fülle von Fähigkeiten – so wie Jogi Löw oder Pep Guardiola.

Auch ist Taktik nicht alles. Aber wenn Scholl uns glauben machen will, dass Taktik überhaupt nicht zählt, und diesen Eindruck gewinnt man bei ihm, liegt er ziemlich daneben. Dass er seinen Feldzug gegen taktische Finessen und taktische Flexibilität ausgerechnet anlässlich eines Spiels der deutschen Mannschaft gegen Italien intensiviert, ist einigermaßen absurd. Denn Italiens beeindruckende Erfolgsbilanz beruht nicht zuletzt darauf, dass in dieser Fußballnation die Taktik schon immer groß geschrieben wurde. Das EM-Viertelfinale hat uns allerdings auch gezeigt, dass Deutschland hier an Boden gewonnen hat.

Beim FC Bayern war Scholl Trainer der U23. Das hat nicht wirklich funktioniert. Eine U23 ist eine Entwicklungsmannschaft, deren Spieler u.a. in taktischer Flexibilität geschult werden sollten. Insofern war Scholls Entscheidung, den deutlich leichteren (und möglicherweise deutlich besser dotierten) Job eines TV-Experten zu wählen. Als TV-Experte hat Scholl bislang vornehmlich mit flotten Sprüchen auf sich aufmerksam gemacht. Manchmal wirkt er auch schlecht vorbereitet. Kennt er einen Spieler nicht wirklich, beispielsweise Belgiens Lukaku, belässt er es bei rätselhaften Andeutungen. Sein Partner Opdenhövel wagt es dann in der Regel nicht, mal etwas nachzubohren.

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Alles nur Neid?

Hardy Grüne

von Hardy Grüne – Nichts anderes als eine Neiddebatte sei es, wenn über die Honorare von Fußball-TV-Experten wie Memet Scholl oder Oliver Kahn gesprochen werde. Der Mediendienst „Kress“ hatte berichtet, es flössen bis zu 50.000 Euro Tagesgage.

Vorab: nichts ist bewiesen, es stehen lediglich Behauptungen im Raum. Sowohl ARD als auch Scholl und Kahn dementierten umgehend. „Die Zahl ist unwahr und meilenweit von der Wirklichkeit entfernt“, erklärte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Ähnliches war schon vor einigen Wochen nach der Neuvergabe der TV-Rechte zu hören gewesen. Damals hieß es, die ARD müsse jedes Jahr 34 Millionen Euro mehr zahlen. „Die Zahlen sind falsch“, erklärte Herres seinerzeit.

In beiden Fällen blieben diese Aussagen beleglos im Raum stehen, lehnte Herres Forderungen nach Offenlegung kategorisch ab. „Wir haben im Sport einen gedeckelten Etat von 250 Millionen Euro pro Jahr für alles. (…) Jeder Mitbewerber könnte sofort ausrechnen: Wie viel haben die noch?“ Das ist zweifelsohne berechtigt, ebenso wie niemand erwarten darf, dass Scholl und Kahn ihre Verdienste von sich aus offen legen. Das würde niemand von uns tun, und das sollte man auch „Stars“ zugestehen.

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