Manuel, Mesut und Uli

Dietrich Schulze-Marmeling

von Dietrich Schulze-Marmeling – Manuel Neuer beklagt einen Mangel an Nationalstolz in der Nationalmannschaft: „Wir müssen wieder die Spieler da haben, die wirklich stolz sind, für die Nationalmannschaft zu spielen und alles dafür geben, für das eigene Land zu spielen.“ Neuer erwähnt Mesut Özil nicht namentlich, aber aus dem Kontext geht hervor, dass er ihn zumindest auch meint. Dass Neuer möglicherweise nachvollziehbare Gründe hat, auf Özil sauer zu sein, dazu später. Dass er nicht ein Wort über die rassistische Hetze gegen Özil verliert, zeugt von einem Mangel an Souveränität und ist ein Armutszeugnis. Und während sich die Kollegen Jérôme Boateng, Antonio Rüdiger, die selber schon Opfer rassistischer Attacken waren, Julian Draxler und Julian Brandt bei Özil nach dessen Rücktritt bedankten oder ihn gegen überzogene Kritik in Schutz nahmen, ist Neuers Statement auffallend empathielos und eines Kapitäns unwürdig. Neuer ist kein Rechter, aber wenn er Özil unterstellt, er sei nicht stolz darauf gewesen, für Deutschland zu spielen, übernimmt er deren Erzählung. Vor der WM schrieb das rechtsextreme Magazin „Compact“ über Özil und Ilkay Gündogan, dass die beiden „‚Deutsch-Türken‘ – eigentlich sind es Türken mit nachgeschmissenem deutschen Pass – uns allen die Freude an der WM vermiesen“. Jeder wüsste, dass „solche Typen nichts mit den Traditionen eines Fritz Walter, Franz Beckenbauer oder Olli Kahn zu tun haben und auch nicht zu unseren aktuellen Hoffnungen wie Timo Werner und Manuel Neuer passen“. Für diese Vereinnahmung konnte Neuer nichts. Aber für die nächste aus dieser Ecke sehr wohl.

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