Wenn die Körpersprache stimmt. Oder auch nicht.

Bernd-M. Beyer: Körpersprache mangelhaft!

von Bernd-M. Beyer – Ich gebe es zu: Meine Körpersprache ist ein einziges Elend. Meine Schultern hängen nach unten und auch noch nach vorn; mein Gang ist gebeugt und schlurfend, mein Blick gesenkt. Gegen mich ist Mesut Özil ein aggressives Ausrufezeichen.

Ich weiß nicht, warum das so ist; einen Psychologen habe ich deswegen nie konsultiert. Ich bin schon als Kind so dahergelaufen, meine Oma hat vergebens versucht, es mir auszutreiben. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich seinerzeit kindliche Minderwertigkeitskomplexe geplagt hätten. Es war einfach so. Vielleicht messe ich aus diesem Grund der Körpersprache keine besondere Aussagekraft zu. Unglücklicherweise befinde ich mich damit im Gegensatz zur großen Mehrheit des deutschen Fußballvolks. Und seiner Kommentatoren im Fernsehen.

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Barhocker-Momente

Was bei früheren Weltmeisterschaften und vor Toni Kroos’ Freistoß besser war und was nicht

 

Sascha Theisen

von Sascha Theisen – Kurz bevor Toni Kroos am vergangenen Samstag seinen genialen rechten Fuß auspackte und den Treffer erzielte, den man sich nun in den branchenüblichen Mediatheken aus zehn verschiedenen Perspektiven anschauen kann, war es nach vielen Jahren voller Halbfinals und Endspielen plötzlich so weit: Ein ganzer Sommer stand auf dem Spiel – nicht mehr und nicht weniger. In den Kneipen der Republik quälten viel zu große Hinterteile viel zu kleine Barhocker und ließen den Rest ihres Körpers erbarmungslos vibrieren. Leinwände im ganzen Land wurden mit panikartigen Flüchen belegt, und die Entrüstung über „Die Mannschaft“ nahm kein Ende mehr.

Es war die pure Angst vor einem Turnier-Aus, die die Deutschen im ganzen Land plötzlich ergriff – ein WM-Turnier-Aus in einer Vorrunde. Bis dahin war das größte WM-Desaster das legendäre Aus in der Zwischenrunde der WM 1978 gegen Hans Krankl und Eddie Finger im argentinischen Córdoba gewesen. Ansonsten feierte man auf den Barhockern der Nation immer mindestens das Viertelfinale und selbst das galt in Jahren wie 1962, 1994 oder 1998 schon als nationale Scham. Ein Vorrunden-Aus wäre also die Mutter aller Katastrophen und passt daher schon mal gar nicht zum deutschen Selbstverständnis. Am Samstagabend schien es aber tatsächlich so weit zu sein – eine nationale Katastrophe. Und der Anfang eines „Früher-war-alles-besser-Sommers“.

Ein Glück gibt es für solche Sommer passende Umfragen, wie die Heldentaten-Umfrage, die eben schon vorher weiß, dass früher alles besser war. Gemeinsam mit den Kölner Marktforschern von respondi haben wir nämlich eine repräsentative Gruppe von 1.000 deutschen Durchschnitts-Viertelfinalisten dazu befragt, was aus ihrer Sicht die größten WM-Momente waren – negativ wie positiv. Warum haben wir das gemacht?

  • Um Momente wie den von Samstag noch etwas intensiver erleben zu können.
  • Um genau zu wissen, was früher alles besser war.
  • Um genau zu wissen, was früher alles schlechter war.
  • Um mehr Bücher des wunderbaren WM-Buchs „Heldentaten – die größten deutschen WM-Spiele“ zu verkaufen.
  • Um mehr Bücher des wunderbaren WM-Buchs „Helden – die größten deutschen WM-Legenden von Bern bis Rio“ zu verkaufen.

Und hier sind die Ergebnisse:

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Bayern gegen Juve, oder: der Gipfel des Guardiola-Bashings

Pep_Guardiola_9498
Pep Guadiola bei der Bayern-Meisterfeier 2014 (Harald Bischoff, „Pep Guardiola bei der Siegesfeier des FC-Bayern im Hof des Münchner Rathauses“, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pep_Guardiola_9498.jpg)

– von Kieran Schulze-Marmeling. Eins direkt mal vorweg: Ja, ich bin Fan der Arbeit Guardiolas. Was nicht heißt, dass ich nicht auch mal Entscheidungen hinterfrage. Im Gegenteil, genau das finde ich so interessant an ihm. Im Gegensatz zu anderen Trainern gibt es bei ihm kein „never change a winning team“. Ich bewundere das, weil der Trainer sich auf diese Weise viel angreifbarer macht, als wenn er immer nur auf die selbe Mannschaft setzen würde. Was übrigens zugleich impliziert, dass ihm das Wohl des Vereins deutlich wichtiger ist als sein eigenes.

Dieser Text wurde von Gastautor Kieran Schulze-Marmeling in der Nacht nach dem 4:2-Sieg des FC Bayern gegen Juventus Turin verfasst. Kieran war in der Saison 2015/16 Co-Trainer in der U19-Bundesliga und hat seine Bachelorarbeit über die Krise des niederländischen Fußballs geschrieben. Wir halten seine Sicht im Kontext des gestern von Dietrich Schulze-Marmeling veröffentlichten Beitrags über die Form der Kritik an Guardiola ebenfalls für lesenswert.

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